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Der Norden Hier darf der Hund mit ins Museum
Nachrichten Der Norden Hier darf der Hund mit ins Museum
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08:40 10.11.2015
In dem stadtgeschichtlichen Museum im Schnoorviertel Bremen sind Hunde normal und jederzeit willkommen.  Quelle: dpa
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Bremen

Neugierig läuft Tinkerbell hin und her. Schnüffelt an einem Fass, wuselt durch die historische Kulisse und streicht einer Museumsmitarbeiterin um die Beine. Für Tinkerbell ist es eine Premiere: Der kleine Mischling ist zum ersten Mal im Museum. Für das Bremer Geschichtenhaus sind vierbeinige Besucher normal. Sie sind dort jederzeit willkommen, bekommen Leckerlis, Wasser und auf Wunsch auch eine eigene Führung. In den meisten Museen sind Hunde unerwünscht. Deshalb geht Maria Hormann, die Besitzerin von Tinkerbell, sonst nie in Ausstellungen. „Ich habe den Hund immer dabei“, sagt sie. Allein zu Hause oder im Auto lassen? „Das kommt überhaupt nicht infrage.“ Wie Hormann geht es vielen Frauchen und Herrchen. 6,8 Millionen Hunde lebten nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf im vergangenen Jahr in deutschen Haushalten.

„Da sieht man, was für ein Potenzial es gibt“, sagt Ullrich Mickan, der Leiter des Geschichtenhauses. Seit der Eröffnung im Mai 2006 steht das Museum, in dem kostümierte Schauspieler die Stadtgeschichte lebendig werden lassen, auch vierbeinigen Besuchern offen. Ein Paar blickt erst etwas irritiert, als sich an diesem Tag auch drei Hunde und ihre Besitzer der Führung anschließen. Das Eis ist jedoch schnell gebrochen, als Golden Retriever-Hündin Grappa sie schwanzwedelnd begrüßt und sich schnell ein paar Streicheleinheiten abholt.

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In Museen müssen Hunde normalerweise draußenbleiben - nicht so im Geschichtenhaus in Bremen. Dort sind Hunde jederzeit willkommen. 

Eine Hundetrainerin hat den Geschichtenhaus-Mitarbeitern gezeigt, wie sie mit den - manchmal etwas aufgeregten - tierischen Gästen richtig umgehen. Schlechte Erfahrungen hat das Museum in all den Jahren nicht gesammelt. Dass ein Hund in der Ausstellung ein Bein heben oder Exponate anknabbern könnte, hält Mickan für unwahrscheinlich. „Das passiert ja auch nicht ständig, wenn Hunde woanders zu Besuch sind.“

Kleine Missgeschicke hatte auch Bärbel Auffermann vom Neanderthal Museum im nordrhein-westfälischen Mettmann befürchtet. Beim „Doggy Day“ dürfen dort einmal im Monat Hunde an der Leine ins Museum. Schäden habe es bisher keine gegeben, sagt die stellvertretende Direktorin. Eigentlich waren die Hundeführungen vor ein Jahren als Aktion zu einer Wolfs-Ausstellung gedacht. „Das ist auf so viel Gegenliebe gestoßen, dass wir das ins Dauerprogramm aufgenommen haben“, sagt Auffermann.

Kunst erschnüffeln konnten Hunde kürzlich auch im Berliner Kupferstichkabinett. Während der Ausstellung „Wir kommen auf den Hund!“ gab es Extra-Führungen für die Vierbeiner und sogar Bilder auf Schnauzenhöhe. „Manchmal war das wie einen Sack Flöhe hüten“, sagt Ira Fröhlich, die die Führungen mitorganisiert hat. Das eine oder andere Mal musste Fröhlich auch kleine Lachen aufwischen. „Immer kann man das nicht machen.“ Deshalb soll es bei der einmaligen Erfahrung bleiben - auch wenn diese insgesamt positiv gewesen sei, sagt Fröhlich.