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Der Norden Handelten Schützen illegal mit Waffenbesitzkarten?
Nachrichten Der Norden Handelten Schützen illegal mit Waffenbesitzkarten?
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00:15 05.01.2017
Von Karl Doeleke
Der wegen Bestechlichkeit im Zusammenhang mit Erteilung von Waffenbesitzkarten Angeklagte Vincenzo B. (li.) und sein Verteidiger Roman von Alvensleben im Gerichtssaal. Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Weil sie in eine Vielzahl von Fällen illegaler Waffenbeschaffung verstrickt sein sollen, müssen sich seit Montag sechs Mitglieder des Schießsportvereins Hameln 2000 vor dem Landgericht Hannover verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft drei Vorstandsmitgliedern besonders schwere Bestechlichkeit vor. Drei einfache Vereinsmitglieder sollen Beihilfe geleistet haben. Im Fall einer Verurteilung droht den Vorständen mindestens ein Jahr Haft.

Vorstand in 53 Fällen angeklagt

Der frühere Kassenwart Vincenzo B. und der ehemalige Vereinsvorsitzende Roman K. sollen zwischen Mai 2013 und Mai 2016 in 53  Fällen Sportschützen wahrheitswidrig gegen Geld bescheinigt haben, eine Prüfung über die Sachkunde im Umgang mit Waffen bestanden zu haben. Dieser sogenannte Sachkundenachweis ist Voraussetzung für den Erwerb einer Waffenbesitzkarte, die man beim Kauf einer Waffe vorlegen muss. 35 weitere Vergehen wirft die Staatsanwaltschaft dem früheren zweiten Vorsitzenden Oliver G. vor.

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Polizei und Staatsanwaltschaft waren den Machenschaften im vergangenen Jahr auf die Spur gekommen, offenbar auch durch Einschleusung eines verdeckten Ermittlers. Im Mai wurden dann bundesweit an die 100 Wohnungen und Räume durchsucht, darunter auch jene des Schießsportvereins Hameln 2000.

Für den Erwerb des Sachkundenachweises sind regelmäßige Schießtrainings und ein Lehrgang mit Abschlussprüfung notwendig. Beim Schießsportverein Hameln 2000 mussten die Schützen laut Anklage entweder keine Prüfung ablegen, oder die Fragen wurden vorher verraten. Außerdem sollen die Angeklagten ihren Abnehmern wahrheitswidrig bescheinigt haben, seit mindestens einem Jahr Mitglied im Schießsportverein gewesen zu sein, was ebenfalls Voraussetzung für eine Waffenbesitzkarte ist.

Die Käufer hätten dafür Summen zwischen mindestens 500 und 1560 Euro bezahlt, heißt es in der 89 Seiten umfassenden Anklageschrift. Die angeklagten einfachen Vereinsmitglieder sollen Fragen verraten und Bescheinigungen ausgestellt haben. Auch hätten sie geholfen, die Taten zu verschleiern. Allein Vincenzo B., der auch Ehrenpräsident und Betreiber des Vereinslokals war, soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft 74 000  Euro eingenommen haben. Der Italiener sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Sein Verteidiger, Roman von Alvensleben, kündigte an, sein Mandant werde zur Aufklärung beitragen, sich aber nicht selbst äußern. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Tatvorwurf entkräften können.“

Prüfung ist hoheitliche Aufgabe

Von Alvensleben zweifelte auch an, dass sein Mandant wegen besonders schwerer Bestechlichkeit verurteilt werden kann. Dafür müsse Vincenzo B. als „Amtsträger“ betrachtet werden. Genau das tut die Anklage. Für die Abnahme der Sachkundeprüfung überträgt nämlich der Gesetzgeber anerkannten Schießsportvereinen hoheitliche Aufgaben. Daher werden die Angeklagten wie Amtsträger behandelt. Der Bundesgerichtshof sehe das aber „bei einem einfachen Kassenwart eines Vereins“ differenzierter, sagte von Alvensleben. Der Verteidiger hält die „Konstruktion“ im Gesetz für unglücklich und fragt: „Hätten nicht die Behörden beim Ausstellen der Waffenbesitzkarten genauer hinschauen müssen? Das wird ein spannender Prozess.“ Bis in den März hinein sind Verhandlungstage anberaumt.     

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