Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Im Spielkreis bleibt der Vater ein Exot
Nachrichten Der Norden Im Spielkreis bleibt der Vater ein Exot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:29 13.04.2012
Von Gabriele Schulte
Auch Väter kümmern sich liebevoll um ihren Nachwuchs – in Eltern-Kind-Gruppen allerdings sind sie mit einem Anteil von weniger als drei Prozent selten vertreten. Quelle: Kannwischer-Schärich
Hildesheim

Vom Krippenausbau ist viel die Rede, vom Lernen im Kindergarten, vom Übergang in die Schule. Eltern-Kind-Gruppen dagegen haben in Diskussionen um die Förderung des Nachwuchses bisher kaum eine Rolle gespielt - dabei sind die Spielkreise so beliebt, dass viele Mütter auf Wartelisten verwiesen werden. Die Universität Hildesheim hat die Lücke geschlossen und am Freitag die Ergebnisse ihrer Studie „Familienbildung in Eltern-Kind-Gruppen“ vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass sowohl Väter (weniger als drei Prozent) als auch Migrantinnen (fünf Prozent) in den Gruppen sehr selten auftauchen.

42 Gruppen in sechs Familienbildungsstätten haben sich über zwei Jahre an umfangreichen Befragungen beteiligt: in Braunschweig und Wolfenbüttel, Hildesheim, Salzgitter und Göttingen. Träger sind Kommune, evangelische oder katholische Kirche. Die Grundbeobachtungen unterschieden sich wenig, sagt Anne Zipfel von der Uni Hildesheim, die das Projekt am Kompetenzzentrum Frühe Kindheit wissenschaftlich begleitet hat: „Alleinerziehende, Familien mit Migrationshintergrund und Eltern mit einem geringen Bildungsstand sind kaum vertreten.“

Wie sich herausstellte, verfügen mehr als 80 Prozent der erwachsenen Teilnehmer mindestens über einen Realschulabschluss. Untersuchungsleiter Prof. Peter Cloos führt die Zurückhaltung der Übrigen nicht so sehr auf die Gebühren in den professionell angeleiteten Spielkreisen zurück - rund fünf bis sieben Euro je Stunde -, sondern auf fehlende Informationen über die Angebote. „Nicht jeder liest sich Broschüren durch oder sucht gezielt im Internet“, sagt er. Die Bildungsstätten sollten versuchen, mit offenen Angeboten wie Eltern-Cafes und Schnuppertagen entgegenzuwirken.

Die Zufriedenheit bei denen, die sich in Eltern-Kind-Gruppen treffen, ist indes groß. Die weitaus meisten gaben an, dass sie und ihr Kind von dem Angebot profitierten. Von solchen Erfahrungen berichteten auch Ehemalige, die sich zudem über langjährige Eltern- und Kinder-Freundschaften freuten, die sich in den Gruppen entwickelt hatten.

Die ein- oder eineinhalb Stunden im Spielkreis empfinden der Studie zufolge viele Mütter als willkommene Gelegenheit, vom häuslichen Alltag etwas Abstand zu gewinnen. „Zuhause sieht man überall die Arbeit liegen“, sagte eine Mutter stellvertretend. Als Hauptgrund für die Teilnahme gaben die allermeisten allerdings an, den Kindern im angeleiteten Spiel mit Gleichaltrigen gute Entwicklungsmöglichkeiten geben zu wollen. Projektmitarbeiterin Severine Thomas hat beobachtet, dass sich der wachsende gesellschaftliche Druck, Kinder von klein auf optimal fördern zu müssen, auch in den Spielkreisen niederschlägt. „Viele kommen mit dem Gedanken: Ich muss möglichst früh etwas für mein Kind tun.“

Gerade die Spielkreise böten aber eigentlich die Möglichkeit, solchem Druck zu entkommen: „Wer sein Kind beim Spielen einfach beobachtet und wertschätzt, wie es auf seine Weise die Welt entdeckt, lernt viel über Pädagogik.“ Anders als bei musikalischer Früherziehung oder Englisch in der Kita gehe es nicht um spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten. Studienleiter Cloos spricht von „Alltagsbildung“ der Kinder, etwa Körpererfahrung und der Möglichkeit, sich selbständig zu entwickeln. Den Eltern werde gezeigt, dass diese Art Bildung sich nicht auf Spielstunden beschränkt, sondern zu Hause weitergeht.

Die Bildungsstätten haben zu spüren bekommen, dass Mütter in letzter Zeit früher in den Beruf zurückkehren: Die Verweildauer in den Gruppen, früher meist bis zum Kindergarteneintritt der Kleinen, ist kürzer geworden. Die Anbieter wollen sich nun verstärkt als Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Betreuung verstehen, etwa mit Eltern-Kind-Angeboten in Krippen.

Und die Väter? Abgesehen davon, dass immer noch sehr wenige länger als ein paar Wochen Elternzeit nehmen, seien die weiblich geprägten Gruppen für sie „fremdes Terrain“, meint Zipfel. Dort gehe es viel um Stillen und Zahnen. „Väter sind lieber körperlich aktiv, sie mögen Bewegungsspiele.“ Für die Bildungsstätten gebe es da noch manches zu tun.

Jahrelang hatte es Streit gegeben um die Ausweitung des Torfabbaus in Niedersachsen. Am Dienstag fällt die Entscheidung im Landeskabinett: Die Fläche wird nicht vergrößert. Dennoch regt sich Widerstand.

Klaus Wallbaum 16.04.2012

Nach Nordrhein-Westfalen sind jetzt auch in Niedersachsen erhöhte Dioxinwerte in Eiern festgestellt worden. Eine Verbindung gibt es nicht. Die Hühnerhöfe im Kreis Aurich wurden gesperrt.

13.04.2012

Es war wohl ihre erste große Liebe - und er ließ sich darauf ein: Weil er über Monate ein Verhältnis mit seiner 14-jährigen Schülerin hatte, ist ein Hamburger Lehrer am Freitag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

13.04.2012