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Der Norden Wo sind all die Pferde hin?
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00:15 05.04.2014
Foto: Auf dem Rücken der Pferde liegt immer seltener das Glück dieser Erde: Vereine in Niedersachsen klagen über Mitgliedermangel, man reitet lieber auf eigene Faust durchs Gelände.
Auf dem Rücken der Pferde liegt immer seltener das Glück dieser Erde: Vereine in Niedersachsen klagen über Mitgliedermangel, man reitet lieber auf eigene Faust durchs Gelände. Quelle: dpa
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Selbst Reitturniere gebe es weniger, weil ehrenamtliche Helfer fehlten. Das berichtet der Geschäftsführer der Pferdeland Niedersachsen GmbH, Enno Hempel. Dabei ist die Begeisterung für das Reiten selbst ungebrochen. Zudem ist das Pferd ein Wirtschaftsfaktor – nicht nur wegen seiner touristischen Bedeutung. An den Hochschulen in Osnabrück und Göttingen locken Pferde-Studiengänge.

„In der Zucht haben wir in den vergangenen fünf, sechs Jahren einen Rückgang von 30 Prozent“, sagt Hempel. Grund sei vor allem der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Die Zahl der kleineren und mittelgroßen Höfe, bei denen die Pferdezucht früher dazugehörte, sinke.
Wie der Landesbauernverband in seiner jüngsten Statistik aufführt, ging auch die Zahl der Bedeckungen in Niedersachsen zurück: Bei den Zuchtverbänden der Hannoveraner und Oldenburger im vergangenen Jahr um rund 1000 auf 14.032. Mit gut 26.000 Tieren stellten die niedersächsischen Verbände deutschlandweit knapp die Hälfte der Warmblutstuten, die im Vorjahr 12.741 Fohlen zur Welt brachten. Etwa 190.000 Ponys und Pferde werden in Niedersachsen gehalten.

Viele Reiter ohne Verein

Den Reitvereinen machten andere Sportarten Konkurrenz, berichtet Hempel. Außerdem hätten Jugendliche heute oft weniger Zeit. Die Mitgliedschaft im Reitverein sei früher gerade auf dem Lande selbstverständlich gewesen, meint Hempel. Viele, die sich heutzutage in den Sattel schwingen, gehörten aber keinem Verein mehr an. 136.184 Mitglieder zählten die 1148 Vereine in 2012. Anders als im Freizeitbereich sei die Zahl der Reitsporttreibenden aber nicht gesunken. Mit dem Hannoveraner hat Niedersachsen eine Rasse von Weltrang. In 37 Länder werden die Tiere verkauft, weiß Hempel. Große Märkte seien die USA, der angelsächsische Raum und Osteuropa, Wachstumspotenzial hätten Ostasien und die südeuropäischen Länder. 100.000 bis 200.00 Euro werden für ein ausgebildetes Springpferd gezahlt.

Nicht nur bei derart teuren Pferden kommt es zu Rechtsstreitereien, wenn das Pferd die von einem Tierarzt beim Verkauf attestierten Qualitäten doch nicht besitzt, berichtet der Präsident des Oberlandesgerichts Celle, Peter Götz von Olenhusen. Er leitet den sogenannten Pferdesenat, der im vergangenen Jahr rund 60-mal in Streitfällen rund ums Pferd urteilen musste.

Bei fehlerhafter Behandlung haftet der Arzt, beim Handel mit einem chronisch kranken Tier der Verkäufer und wenn ein Umstehender von einem Pferd getreten wird, der Halter. „Es gibt mehr Streitigkeiten“, weiß der Präsident. Für Tierärzte seien Auftragsuntersuchungen samt Röntgenbildern vor einem Verkauf zu einem wachsenden Betätigungsfeld geworden. Wenn das Pferd aber nicht halte, was die vom Verkäufer vorgelegte Expertise verspreche, sei es für den Käufer rechtlich schwierig, den Tierarzt in Haftung zu nehmen. Das Gericht rät Pferdekäufern daher, neben einem mehrmaligen Probereiten selber 300 bis 400 Euro für das Gutachten eines Tierarztes zu bezahlen.

Studieren rund ums Pferd ist in Osnabrück und Göttingen möglich. „Das ist ein Wirtschaftsfaktor mit Millionenumsatz“, weiß Prof. Harald Grygo von der Fachhochschule Osnabrück. Die angehenden Agraringenieure können sich an der Hochschule im Pferdemanagement spezialisieren. Arbeit wartet auf Gestüten, bei Ausrüstern, der Futtermittelindustrie, bei Auktionen oder im Export. Das Interesse an dem Studium ist groß, obwohl ein Praxisjahr Voraussetzung ist und es einen Numerus clausus gibt.

Von Michael Evers

Nachgefragt: "Reitvereine gehen in Schulen"

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Man reitet gern, will aber keinem Verein beitreten ...

Viele Menschen scheuen die langfristige Bindung an einen Verein. Wenn ein Kind Mitglied wird, sollten auch die Eltern bei Veranstaltungen oder Turnieren helfen. Das wollen viele aber nicht. Gestresste Eltern lassen ihr Kind lieber vor der Reithalle aus dem Auto aussteigen und wissen ihr Kind dort gut aufgehoben.

Gilt Reiten noch als elitär?

Bei uns auf dem Land sicher nicht. Man muss kein Pferd kaufen, ein Pflegepferd reicht auch. Jugendliche haben aber oft keine Zeit zum Reiten. Gerade Gymnasiasten können vor 17.30 Uhr gar nicht im Stall sein. Deshalb kommen viele Vereine jetzt in die Schulen. An der Integrierten Gesamtschule Fürstenau soll Reiten sogar Abiturfach werden. Auch in Kitas gibt es Reitprojekte.

Interview: Saskia Döhner

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