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Der Norden Charlottas schwieriger Schulstart
Nachrichten Der Norden Charlottas schwieriger Schulstart
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14:33 15.01.2014
Von Saskia Döhner
 „Geistig ist sie hundertprozentig fit“: Charlotta bei der Einschulung im August. Quelle: Privat
Schöppenstedt

Die sechsjährige Tochter Charlotta ist schwer körperbehindert. Sie leidet an einer Spaltmissbildung des Zentralnervensystems, ein Teil des Rückenmarks liegt frei an der Körperoberfläche. Sie kann ihre Blase nicht kontrollieren, hat einen Wasserkopf. „Geistig ist sie 100-prozentig fit“, sagt Uwe Scharf, „sogar 1000-prozentig“, schiebt er voller Stolz hinterher. Für ihn war es keine Frage, dass seine Tochter auf eine Regelschule gehen soll. Seit August besucht Charlotta die erste Klasse der Grundschule Schöppenstedt (Kreis Wolfenbüttel).

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap ist in Deutschland seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention vor vier Jahren verbrieftes Recht. Charlotta sitzt wegen ihrer Lähmungen im Rollstuhl, kann aber kurze Strecken mithilfe von Prothesen und einem Rollator auch allein bewältigen. Die Grundschule macht ihr Spaß, aber richtig angekommen ist sie in ihrer Klasse auch nach drei Monaten noch nicht. Bei den Musik- und Sportstunden konnte sie nicht mitmachen. Bislang mussten Vater oder Mutter kommen, um Charlotta die Windeln oder den Katheter zu wechseln.

Uwe Scharf hat jetzt eine junge Sozialpädagogin gefunden, die seiner Tochter in der Schule über Stufen und auch sonst hilft. Bezahlen will der 51-Jährige die Begleiterin über das sogenannte persönliche Budget. Darauf haben Behinderte seit dem Jahr 2008 einen Rechtsanspruch. Ziel ist es laut dem niedersächsischen Sozialministerium, ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Anstelle von Sach- oder Dienstleistungen gibt es jetzt Geld. Aus Hilfeempfängern werden Arbeitgeber, die ihre Pflege eigenständig bezahlen. Aus dem Budget können auch Leistungen bezahlt werden, die von verschiedenen Trägern kommen.

Was in der Theorie so einfach klingt, gestaltet sich in der Praxis oft viel komplizierter. Mehr als 15 Monate hat Uwe Scharf mit der Krankenkasse mh/plus, die für Charlotta die Hilfen koordiniert, um das Budget gerungen. Im Jahr 2012 ging es noch um eine Begleitung für den Kindergarten. Damals wohnte das Mädchen im baden-württembergischen Rastatt. Mittlerweile ist die Familie nach Niedersachsen umgezogen. Im Internet war Uwe Scharf auf ein behindertengerechtes Wohnprojekt in Schöppenstedt gestoßen. Noch sind die Häuser nicht fertig. „Weihnachten könnte es soweit sein“, sagt er. Bis dahin lebt Charlotta mit ihrer Mutter in einem Einzimmerappartment, Vater Uwe pendelt zwischen Rastatt und Schöppenstedt hin und her. Im Moment lebt er von Hartz IV. „Wenn die Betreuung für Charlotta geregelt ist, können meine Lebensgefährtin und ich auch endlich wieder arbeiten“, sagt Uwe Scharf. Er hätte für seine Tochter gern nicht nur während der Schulstunden eine Begleitung, sondern auch noch in den Ferien und nachmittags etwa für Rollstuhlsport. Auch die Fahrten zur Schule und zur Physiotherapie müssten bezahlt werden.

Im Monat kämen so rund 5000 Euro zusammen, hat er ausgerechnet. So viel will der Landkreis allerdings nicht bezahlen. Das Sozialgericht Braunschweig hat gestern in einem Eilverfahren entschieden, dass das persönliche Budget ab Dezember endlich ausgezahlt werden muss. Bewilligt wurden die Schulbegleitung und darüber hinaus monatlich 20 Stunden Unterstützung in der Freizeit. Die genaue Höhe der Summe will der Landkreis nicht nennen. 5000 Euro monatlich seien es nicht, sagt eine Sprecherin, aber „ein erheblicher Teil der beantragten Summe“. Ob Kasse oder Kreis - alle Beteiligten versichern, sie wollten eine schnelle und einvernehmliche Lösung für das Kind. Für Scharf muss das wie Hohn klingen: „Ich hätte nie gedacht, dass das alles so schwierig wird“, sagt er.

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