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Der Norden Jugendliche in Heim gequält - Ex-Chef vor Gericht
Nachrichten Der Norden Jugendliche in Heim gequält - Ex-Chef vor Gericht
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09:39 17.10.2017
Im Landgericht Verden beginnt der Prozess gegen den Ex-Chef des Heims und drei weitere Mitarbeiter. Quelle: dpa
Verden

Die Vorwürfe sind gewaltig: Führungskräfte und Mitarbeiter einer intensivpädagogischen Einrichtung in Niedersachsen sollen dafür verantwortlich gewesen sein, dass Jugendliche dort zur Strafe tagelang in Zimmern eingesperrt wurden. Laut Anklage sollen Betreuer die Bewohner auch mit Schlägen und Tritten verletzt haben. Nun wird den drei Männern und einer Frau der Prozess gemacht.

Die Angeklagten im Alter zwischen 39 und 57 Jahren müssen sich von diesem Donnerstag an vor dem Landgericht Verden verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Freiheitsberaubung und Misshandlung Schutzbefohlener vor. Letzteres kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden.

Das Haus mit Standorten in Thedinghausen im Landkreis Verden und Eystrup im Landkreis Nienburg/Weser wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft 2012 geschlossen. Die jungen Leute sollen in den Zimmern nur leicht bekleidet und fast ohne Mobiliar eingesperrt worden sein.

Verschlossene Türen und abmontierte Fenstergriffe

Die Vorfälle sollen zwischen März 2009 und Dezember 2011 passiert sein. Unter den Angeklagten ist der damalige Inhaber und Geschäftsführer der Einrichtung, in dem die Misshandlungen geschehen sein sollen. Daneben stehen die damalige pädagogische Leiterin, ein früherer pädagogischer Leiter sowie ein Ex-Arbeitstrainer vor Gericht.

„Die Ermittlungen haben sehr viel Zeit in Anspruch genommen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, Lutz Gaebel. Die Anklageschrift umfasse mehr als 200 Seiten. Darin werden über 40 Zeugen aufgeführt und rund 70 Dokumente als Beweismittel benannt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wendeten Mitarbeiter der Einrichtung den sogenannten Zimmerbunker als Strafe für Fehlverhalten der Bewohner an. Dabei verschlossen sie die Haustür und montierten die Fenstergriffe ab. Beim „verschärften Zimmerbunker“ wurde die Einrichtung bis auf Matratze, Decke und Kopfkissen entfernt. Als Kleidung blieb dem betroffenen Bewohner nur eine Boxershorts.

Die Kammer hat nach dem Auftakt am Donnerstag zunächst neun Verhandlungstermine bis zum 12. Dezember festgesetzt.

lni

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