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Der Norden Kabinett ebnet den Weg zum Torfabbau
Nachrichten Der Norden Kabinett ebnet den Weg zum Torfabbau
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06:15 16.04.2012
Von Klaus Wallbaum
Zwei Drittel der Moorfläche werden von der Landwirtschaft als Grünland oder Acker genutzt.
Zwei Drittel der Moorfläche werden von der Landwirtschaft als Grünland oder Acker genutzt. Quelle: Behrens
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Hannover

Im jahrelangen Streit um den Torfabbau fallen nächsten Dienstag Entscheidungen. Die Landesregierung will das Raumordnungsprogramm festlegen. Schon deutet sich ein neuer Konflikt an. „Der von der Koalition angepeilte Weg ist verkehrt“, sagt Christian Meyer (Grüne) und fordert: „Statt der Erlaubnis zu weiterem Torfabbau sollte es eine Wiedervernässung der Moore geben. Das wäre der effektivste Klimaschutz.“

Im alten Landesraumordnungsprogramm war eine Fläche von 23000 Hektar als Vorranggebiet für den Torfabbau ausgewiesen. Ursprünglich hatte das Agrarministerium versucht, dieses Gebiet um 9000 Hektar zu vergrößern, in einem abgespeckten Konzept dann um 3000 Hektar. Als die Pläne durchsickerten, wuchs parteiübergreifend der Widerstand - auch in der CDU/FDP-Koalition. Im neuen Entwurf bleibt die Fläche zwar unterm Strich gleich - aber aus Sicht von Naturschützern ist das für den Abbau vorgesehene Gebiet viel zu groß.

Zwei Drittel der Moorfläche werden von der Landwirtschaft als Grünland oder Acker genutzt, und viele Bauern befürchten bei einem weiteren Vorrücken der Torfindustrie eine wachsende Flächenknappheit und Verteuerung. Vor allem im Oldenburger Land und im Elbe-Weser-Raum zwischen Bremen und Hamburg wächst der Widerstand, viele Landtagsabgeordnete der Koalition hatten sich auf die Seite der Kritiker geschwungen. Einer von ihnen ist der CDU-Abgeordnete Karl-Heinz Bley aus Cloppenburg. In einigen Regionen, etwa rund um Hülsberg bei Oldenburg, seien die Sorgen der Menschen nach wie vor groß, betont Bley: „Die Feinabstimmung erfordert noch viel Kraft.“ Wenn mit dem Torfabbau der Grundwasserspiegel abgesenkt werde, drohten die Pfahlkonstruktionen, die in einigen Siedlungen die Häuser tragen, zu verfaulen. Der Kreis Verden wollte ein Moorgebiet sogar unter Schutz stellen, um den Torfabbau zu verhindern.

Der Grünen-Abgeordnete Meyer sagt, ein wiedervernässtes Moor sei der wirksamste Kohlendioxidspeicher, daher solle die Regierung die Flächen aus der Landwirtschaft nehmen und renaturieren. „Das ist allemal günstiger als unterirdische CO2-Speicher anzulegen.“ Mit der landwirtschaftlichen Nutzung werde das Moor nämlich Jahr für Jahr weniger - bis es irgendwann verschwinde. Der CDU-Umweltexperte Ulf Thiele warnt aber vor einem zu schnellen Ende des niedersächsischen Torfabbaus: „Noch brauchen die Gartenbaubetriebe Torf. Wenn sie ihn nicht aus Niedersachsen bekommen, müssen sie ihn aus dem Baltikum importieren - und dort werden die Moore nach dem Torfabbau nicht wiedervernässt.“

13.04.2012
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