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Der Norden „Kein sexuelles Interesse an Minderjährigen“
Nachrichten Der Norden „Kein sexuelles Interesse an Minderjährigen“
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07:44 27.05.2016
Sebastian Edtahy lebt derzeit nicht mehr in Deutschland. Quelle: dpa
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Hannover

Man habe ihn „noch kleiner als ein Atom“ machen wollen, sagte Sebastian Edathy dem „SZ-Magazin“. Zugleich räumte er ein, sich zu spät zu seiner moralischen Schuld bekannt zu haben. Der Erwerb von Filmen mit nackten Jugendlichen sei „unnötig und falsch“ gewesen. Edathy betonte allerdings, er habe „kein sexuelles Interesse an Minderjährigen“. Womöglich sei er „strukturell generell ein Borderliner“, erklärte er mit Blick auf sein Fehlverhalten.

Der einstige Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags war im Februar 2014 von allen Ämtern zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft bekannt gemacht hatte, dass der Politiker von einem Versand in Kanada Nacktbilder von Minderjährigen bezogen hatte. Edathy war wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials angeklagt worden, das Landgericht Verden hatte den Prozess aber im März 2015 gegen Zahlung einer Geldauflage von 5000 Euro eingestellt. Er gilt damit juristisch weiter als unschuldig und ist nicht vorbestraft.

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Edathy hat in Hannover Soziologie und Sprachwissenschaft studiert, 1990 trat er der SPD dabei. Sein Vater kam in den 60er Jahren aus Indien nach Deutschland, seine Mutter ist Deutsche. Edathy ist nicht verheiratet und hat keine Kinder.

Der SZ-Journalist Heribert Prantl besuchte Edathy an seinem geheimen Domizil am Rande einer arabischen Stadt, wo er in einem Haus zur Miete wohnt. Der frühere SPD-Abgeordnete berichtet von massiven Morddrohungen, die ihn immer noch wöchentlich erreichten. Wegen dieser Drohungen sei er zumindest vorübergehend aus Deutschland weggezogen. Edathy lebt bescheiden und ohne laufendes Einkommen von Ersparnissen und kleinen Zuwendungen seiner Stiefmutter. Angesichts der Perspektivlosigkeit seines Lebens hätten ihn Selbstmordgedanken geplagt.

Edathy will seinen Partner heiraten

Zumindest privat zeichneten sich aber nun neue Perspektiven ab. Der Ex-Politiker will im Dezember mit seinem Partner in Deutschland eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Sein Verlobter sei Hotelmanager in dem Land, in dem Edathy jetzt wohne.

Edathy wurde 1969 in Hannover geboren. Von 1998 bis 2014 gehörte er als SPD-Abgeordneter der Bundestag an, dabei hatte er jeweils ein Direktmandat in seinem Wahlkreis Nienburg II-Schaumburg errungen. Ab 2012 leitete er den Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Im Februar 2014 legte er sein Mandat nieder, kurz vor dem Bekanntwerden der laufenden Ermittlungen gegen ihn aufgrund des Verdachts, sich kinderpornografisches Material beschafft zu haben.  

Nach Bekanntwerden der Affäre hatte die SPD ein Parteiausschlussverfahren angestrengt, das Anfang dieses Jahres mit einem Vergleich endete. Edathy muss demnach seine Ämter für drei Jahre ruhen lassen.

afp/dpa/frs