Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Kind stürzt in Bergwerksschacht
Nachrichten Der Norden Kind stürzt in Bergwerksschacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:37 10.07.2012
Spezialisten der Höhen- und Tiefenrettung der Feuerwehr konnten das Kind und die Erzieherin mit Seilen und Gurten wieder ans Tageslicht befördern. Quelle: dpa
Osterwald

Während einer Waldwoche des Kindergartens Oldendorf hatte der kleine Tobi (Name geändert) aus Salzhemmendorf, der am Donnerstag vier Jahre alt wird, auf einem Stapel Baumstämmen gespielt. Vor den Augen der 37-jährigen Hamelnerin verschwand er um 9.45 Uhr in einem Spalt. Er fiel in den Lichtschacht eines ehemaligen Steinkohlebergwerkes und landete im eiskalten Grundwasser.

Zum Glück. „Denn das Wasser hat ihn gerettet“, sagt Ortsbrandmeister Dirk Habenicht am Montag. Die Betreuerin zwängte sich in das stockfinstere Loch. Sie wollte dem Jungen helfen – und ließ sich fallen. Die mutige Frau wird nicht geahnt haben, dass der Stollen einmal 90 Meter tief war. Vermutlich kann Tobi nicht schwimmen. Die Hamelnerin hat ihr Leben riskiert, um das des Kindes zu retten. In solchen Momenten, heißt es, denke man nicht lange nach. Man reagiere nur.

Der alte Bergwerkschacht ist oval und gemauert. Einige Backsteine sind kaputt. Die Erzieherin hielt den Jungen fest und klammerte sich an einer Vertiefung fest. Kolleginnen holten Hilfe. Um 9.50 Uhr wurden die Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Oldendorf und die Ortswehr Osterwald alarmiert. Notärzte und Rettungsassistenten aus Hemmendorf, Gronau, Hameln und Hessisch Oldendorf fuhren ebenfalls zum Unglücksort.

Höhlenretter Dennis Hacker (24) wurde als Erster abgeseilt. Ihm folgte Dirk Ossenkop (46). Die Spezialisten kümmerten sich um die Eingeschlossenen, vermittelten ihnen das Gefühl, in Sicherheit zu sein. Ossenkop setzte dem kleinen Tobi einen Helm auf, fixierte ihn mit einem Gurt an seinem Körper und ließ sich von seinen Kameraden hochziehen. Der Junge zitterte, weinte aber nicht. Im Gesicht hatte er einige Schrammen. Ein Notarztteam brachte ihn zu einem Rettungswagen.

Kurz darauf sicherten Hacker und Ossenkop die Frau mit einem Sitzgurt und Seilen an der Frau, dann wurde auch sie mit vereinten Kräften nach oben gehievt und medizinisch versorgt. Nach ersten Informationen sollen die Verunglückten mit ein paar Schrammen und Unterkühlungen davongekommen sein. Nach Angaben der Polizei wurden die Retterin und der Junge stationär im Hamelner Krankenhaus aufgenommen.

Auch die Retter wurden von ihren Kameraden wieder aus der Tiefe geholt. Sie waren froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Dennis Hacker zitterte wie Espenlaub. „Es war aber auch verdammt kalt dort unten“, meint Dirk Ossenkop. „Das Wasser hatte höchstens 5 bis 7 Grad.“

Tobi war laut Vizeabschnittsleiter Thomas Küllig eine Stunde, seine Betreuerin sogar noch 20 Minuten länger im Schacht. „Wir freuen uns sehr, dass alles noch einmal gut ausgegangen ist“, sagt Ortsbrandmeister Habenicht. „Wäre dort unten kein tiefes Wasser gewesen, hätten die beiden die Sache sicher nicht überlebt.“

Lohnunternehmer Ernst-August Mietke sagt, der Lichtschacht sei letztmalig von ihm vor etwa vier, fünf Jahren sorgfältig mit dicken Baumstämmen abgedeckt worden. Der Förster habe großen Wert darauf gelegt,. Am Dienstag soll sich ein Experte des Landesamtes für Bergbau und Energie aus Clausthal-Zellerfeld den Unglücksort anschauen.

Ulrich Behmann


KORREKTUR - Niedersachsen: Kind und Erzieherin stürzen in Schacht
Jetzt eigene Deutschlandkarte auf stepmap.de erstellen
StepMap KORREKTUR - Niedersachsen: Kind und Erzieherin stürzen in Schacht


Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Der Norden Vermehrte Feuerwehreinsätze - Immer öfter brennt es in Niedersachsen

Die Zahl der Brände in Niedersachsen ist angestiegen, aber es gibt immer weniger Feuerwehrleute. Im vergangenen Jahr gab es 10.000 Fehlalarme, 17 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Klaus Wallbaum 09.07.2012

Die Heidelbeerernte hat begonnen. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) eröffnete die Saison am Montag auf einem Heidelbeerhof in Kirchdorf (Kreis Diepholz). Niedersachsen sei das Heidelbeerland Nr. 1, teilte der Bund Deutscher Heidelbeeranbauer mit.

09.07.2012

Rund fünf Millionen Euro Schaden sind beim Brand eines Einkaufszentrums in Schöppenstedt im Kreis Wolfenbüttel entstanden. Das einstöckige Gebäude brannte bis auf die Grundmauern ab, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Verletzt wurde durch das Feuer niemand.

09.07.2012