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Der Norden Kinderfeuerwehr: Knirpse zeigen Einsatz
Nachrichten Der Norden Kinderfeuerwehr: Knirpse zeigen Einsatz
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00:15 30.01.2014
Von Gabriele Schulte
Helm auf und los: In Lüneburg-Oedeme haben sich Sechs- und Siebenjährige zu einer neuen Kinderfeuerwehrgruppe zusammengefunden.
Helm auf und los: In Lüneburg-Oedeme haben sich Sechs- und Siebenjährige zu einer neuen Kinderfeuerwehrgruppe zusammengefunden. Quelle: Ingo Wagner
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Lüneburg

Die Feuerwehr ist bei Kindern beliebt - auch wenn die Kleinen weder die Geräte bedienen noch an Einsätzen teilnehmen dürfen. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der Kinderfeuerwehren in Niedersachsen rasant erhöht: von 473 Gruppen 2011 auf jetzt mehr als 630. Gerade kamen im Landkreis Lüneburg zwei neue Gruppen für Sechs- bis Zwölfjährige hinzu. „Wie viele bis zum Übergang als Erwachsene in die aktive Wehr durchhalten, wissen wir noch nicht“, sagte am Montag Bernd Dahle, Bildungsreferent der Niedersächsischen Jugendfeuerwehren. Beobachtungen etwa in Gehrden-Leveste (Region Hannover), wo vor 18 Jahren die erste Kinderfeuerwehr des Landes gegründet wurde, machten jedoch Mut, meint er. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert, ist in Orten mit festem sozialen Gefüge besonders hoch.“ Die meisten Kinder wechselten dort nahtlos in die Jugend- und dann in die Erwachsenenwehr über.

Da das aber längst nicht überall so ist, will das Innenministerium auch 2014 Jugendliche weiter mit Plakat- und Buswerbung aufrufen, sich bei der Feuerwehr zu engagieren. Eine vor vier Jahren vorgestellte Untersuchung hat gezeigt, dass der demografische Wandel massive Probleme mit sich bringt. Und die Freiwilligen Wehren haben nicht nur mit zu wenigen Geburten und dem Wegzug junger Leute aus den Dörfern zu kämpfen. In der Pubertät entscheiden sich viele Mitglieder für einen Austritt. Bei einer Befragung wurden als Hauptmotive „keine Lust mehr“ und „stärkere andere Interessen“ angegeben, auch die schulische Belastung spielt eine Rolle. Nach Angaben von Dahle ist der Rückgang bei den Jugendfeuerwehren aber vorerst gestoppt: Mit rund 30 000 Mitgliedern in 1966 Gruppen sei die Zahl nun konstant - auch dank der nachrückenden Kinder.

Grundschulkinder lassen sich vom „Tatütata“ besonders gut ansprechen. „Wir wollen sie in dem Alter abholen, wo sie sich für Feuerwehrautos interessieren“, sagt Marko Heyner, Kinderfeuerwehrwart im Kreis Lüneburg. Niedersachsen sei in dieser Hinsicht gut aufgestellt; Schleswig-Holstein beispielsweise sei „noch Entwicklungsland“. Auch in Nordrhein-Westfalen wird erst jetzt über die Öffnung der Feuerwehren für die Kleinen diskutiert. Kritiker in dortigen Wehren geben zu bedenken, die Feuerwehr sei „kein Kindergarten“ und das ehrenamtliche Personal nicht pädagogisch geschult. Heyner, selbst Pädagoge und in der Freizeit Leiter einer Gruppe, hat da keine Bedenken. Das Land biete genügend gute Schulungen an, die stark nachgefragt würden. Finanziell sei die Nachwuchsarbeit bei eher symbolischen Mitgliedsbeiträgen zunächst ein Zuschussgeschäft. Zwar bekämen die Kleinen keine Uniform, es würden aber Ausflüge und Freizeiten gesponsert.

In Lüneburg-Oedeme freut sich die 26 Jahre alte Sozialarbeiterin Sabrina Johannsen darauf, nun einmal monatlich gemeinsam mit einer 23-jährigen Feuerwehrfrau die Kleinen mit Experimenten und Spielen wie „Helme im Dunkeln suchen“ an den Brandschutz heranzuführen. Der Wunsch von Neumitglied Nele (7), ein Auto mit einem Spezialwerkzeug aufzubrechen, lasse sich zwar nicht erfüllen, sagt sie, erst die Jugendwehr habe mit technischen Geräten zu tun. „Aber sie war schon begeistert, als ihr das Feuerwehrauto vorgeführt wurde.“

Austritte werden aufgefangen

Der demografische Wandel macht es schwer, in jedem Dorf eine Freiwillige Feuerwehr aufrecht zu erhalten. Das zeigt sich etwa im Harz, wo immer weniger Menschen leben. Landesweit steht Niedersachsen mit einem nur leichten Rückgang von zuletzt 0,6 Prozent im Jahr 2012 bei den aktiven Feuerwehrleuten im Ländervergleich noch relativ gut da; deutlich stärker sind die Verluste nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes in Ostdeutschland, aber beispielsweise auch in Bayern. Die wachsende Zahl von Kinderfeuerwehren soll dazu beitragen, den Rückgang bei den Ehrenamtlichen zu stoppen. „Die Austritte aus den Jugendfeuerwehren werden so aufgefangen“, sagt Bildungsreferent Bernd Dahle. Die Zahl der Zwölf- bis 18-Jährigen in den Feuerwehren habe durch den Nachwuchs aus den Kindergruppen fast konstant gehalten werden können. Deutlich erhöht hat sich der Anteil der Mädchen und Frauen. Bei den Aktiven beträgt er rund zehn Prozent, bei den Jugendlichen 28 Prozent und in den Kindergruppen knapp 40 Prozent.

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