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Der Norden Kommentar: Bauernmobbing hilft nichts
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Kommentar: Bauernmobbing hilft nichts

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20:51 26.11.2019
Am Dienstag fuhren aufgebrachte Bauern durch Berlin – am Freitag werden kritische Verbraucher auch wieder durch Hannover ziehen. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
Hannover

An Zukunftsfragen ist aktuell kein Mangel. Aber mit einiger Sicherheit ist die nach der Ernährung am Ende die wichtigste von allen. Was es künftig in welcher Qualität und zu welchem Preis zu essen gibt und ob es für alle reichen wird – das ist ein entscheidendes Thema auf einem Planeten, der in 30 Jahren an die 10 Milliarden Menschen tragen soll. Die Fronten in dieser Diskussion härten hierzulande leider gerade sehr schnell aus.

Die klugen Bauern denken längst um

Am Dienstag waren aufgebrachte Bauern in Berlin, um zu verdeutlichen, dass sie ihren Job so nicht mehr machen können. Weil ewig neue Vorschriften sie drangsalierten, die Politik unberechenbar geworden sei und auch, weil sie nur noch als Brunnenvergifter gemobbt würden. Am Freitag werden dann wieder engagierte Großstädter auf die Straße gehen und den Landwirten im Gegenzug Vorwürfe machen, weil sie Raubbau betrieben, Tiere quälten und Wasser wie Atmosphäre schädigten. Ihr „Friday for Future“ verlangt kühn eine ganz neue Ernährungswirtschaft.

Wie geht das zusammen? Die Diskussion muss neu beginnen, wenn die Demos vorbei sind. Den vielen klugen Bauern ist das längst klar. Sie wollen ihre Arbeit anpassen – aber eben auch weiterhin von ihr leben können. Diesen Punkt hat die hektische Politik zuletzt aus dem Augen verloren. Zugleich müssen die Landwirte bei sich etwas klären: Das teils ignorante Vorgehen von Großbauern und Agrarkonzernen in Mecklenburg und Brandenburg wie auch im Nordwesten Niedersachsens passt nicht zu einem glaubwürdigen Nachdenken. Wer als Tiermäster oder Fleischfirma etwa im Oldenburger Münsterland einfach weiter gegen Natur und Grundwasser arbeitet, hat nicht genug verstanden. Auch hier ist gestaltende Politik nötig: In einigen Bereichen Niedersachsens geht es um einen echten Strukturwandel in der Landwirtschaft – wie anderenorts bei der Kohle. Wer ihn der Umwelt wegen will, muss den Landwirten indes auch sagen, womit sie ihr Geld verdienen sollen. Und zugleich den Verbrauchern erklären, dass es weniger Fleisch zu einem höheren Preis geben wird. Wobei klar ist, dass nationale Regeln auf den Weltagrarmärkten kaum noch durchschlagen. Das wird harte Arbeit in Hannover, Berlin und Brüssel.

Wer beruhigt die Wut?

Vorrangig wird es jetzt aber auch darauf ankommen, dass die Republik ihre Bauern nicht verliert. Ihr Zutrauen in Politik und Demokratie schwindet, auch die CDU ist nicht mehr die Klammer, die sie zusammenhält. Die Bindungskraft der Verbände lässt nach – ihre Demos organisieren junge Landwirte mit dem Smartphone längst, wie sie wollen. Weil sie mindestens so wütend und enttäuscht sind wie die „Fridays“. Wer löst diesen Knoten? Auch so eine Zukunftsfrage.

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Von Hendrik Brandt

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