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Der Norden Konzern bucht Luxushotel für zehn Jahre
Nachrichten Der Norden Konzern bucht Luxushotel für zehn Jahre
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06:15 08.04.2012
Von Margit Kautenburger
Foto: Ein Windparkkonzern belegt ab 2013 das Hotel „Atoll“ auf Helgoland.
Ein Windparkkonzern belegt ab 2013 das Hotel „Atoll“ auf Helgoland. Quelle: dpa
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Helgoland

Die Eröffnung des luxuriösen Designhotels „Atoll“ auf Helgoland war mit großen Hoffnungen verbunden. Zahlungskräftige Touristen sollten angelockt werden, als „Leuchtturm für die ganze Insel“ sollte das architektonisch anspruchvolle Hotel der Insel neue Impulse und Besucher verschaffen. Doch nun macht ausgerechnet die Energiewende der Tourismusbranche auf der Hochseeinsel einen Strich durch die Rechnung. Ein Energiekonzern hat das direkt am Südstrand gelegene Haus mit seiner Fassade aus Glas und Stahl komplett gebucht – und zwar für zehn Jahre.

Helgoland wird eine Art Wartungsplattform für drei große Windparks, die in 25 bis 35 Kilometer Entfernung rund um die Insel errichtet werden. Das Energieunternehmen WindMW aus Bremerhaven hat sich einen der besten Plätze reserviert und bringt Mitarbeiter und Gäste vom 1. Januar 2013 an in den 50 Zimmern des „Atoll“ unter.

Bürgermeister Jörg Singer ist nicht begeistert. „Für unseren Tourismus ist das eine kalte Dusche“, schimpft er. Mehr und bessere Unterkünfte wünscht er sich seit Langem. Und nun das. Hoteleigentümer Arne Weber hingegen spricht von einem Glücksfall. „Wer träumt nicht von einer Auslastung seines Hotel für zwölf Monate im Jahr?“, fragt er.

Der Ausfall des 1999 eröffneten „Atoll“ trifft die Insel in einer schwierigen Phase. Helgoland kam jahrelang nur noch bei hartgesottenen Fans gut an. Zwar kann man hier prima Schnaps und Zigaretten zollfrei einkaufen – viele sprechen daher abfällig vom Fuselfelsen –, doch der Ort mit seinem Fünfziger-Jahre-Charme wirkt angestaubt. Die Gemeinde setzte in jüngster Zeit alles daran, das piefige Image aufzupolieren. Ein neues Seewasserschwimmbad, Ferienbungalows der Vier-Sterne-Kategorie auf der Düne und ein neues Aquarium ließen die Besucherzahlen nach langer Flaute ansteigen. Eine „Erlebnispromenade“ und ein neues Mehrzweckschiff, das eine feste Verbindung zum Festland garantiert, sollen den Tourismus weiter ankurbeln.

Auch die Energiebranche ist eigentlich willkommen. Die Windkraft könnte neben dem Tourismus und der Forschung zum dritten Standbein werden, sagt Bürgermeister Singer. Dafür investiert die Gemeinde etwa 25 Millionen Euro in den Ausbau des brachliegenden Südhafens, in neue Hafenbecken, Kaianlagen und Zuwege. Im Gegenzug verspricht er sich rund 150 Arbeitsplätze, wachsende Kaufkraft und steigende Gewerbesteuereinnahmen.

Nur die Sache mit dem Hotel gefällt Bürgermeister Singer gar nicht. „Ich hätte es besser gefunden, wenn die Offshore-Industrie selbst neuen Wohnraum geschaffen hätte – wie es ursprünglich geplant war“, sagt Singer. „Doch das hat denen zu lange gedauert.“ Der Bürgermeister findet das doppelt bedauerlich. „Nun verlieren wir ein Highlight für die Urlauber und Aufträge für das Baugewerbe.“

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