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Der Norden Landgericht wehrt sich im Streit um Pflegekind
Nachrichten Der Norden Landgericht wehrt sich im Streit um Pflegekind
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12:13 15.06.2012
Von Karl Doeleke
Foto: Justizminister Bernd Busemann hat sich in den Streit eingeschaltet und drängt auf eine gütliche Einigung.
Justizminister Bernd Busemann hat sich in den Streit eingeschaltet und drängt auf eine gütliche Einigung. Quelle: Decker (Archivfoto)
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Lüneburg

Im Streit um das Pflegekind Dennis hat die Justiz Vorwürfe zurückgewiesen, die im Zusammenhang mit richterlichen Entscheidungen gegen die Pflegeeltern aufgekommen waren. Die Berichterstattung über den Fall habe die beteiligten Gerichte und Behörden diskreditiert, hieß es in einer am Donnerstag durch das Landgericht Lüneburg verbreiteten Mitteilung.

Ein Paar aus Winsen/Luhe (Kreis Harburg) hatte den fünf Jahre alten Dennis nach jahrelanger Pflege zurück in ein Heim gegeben und gleichzeitig schwere Vorwürfe gegen das Amtsgericht Winsen/Luhe erhoben. Die jahrelange gerichtliche Auseinandersetzung mit den leiblichen Angehörigen hätten sie zermürbt, gaben die Eltern an. Zuletzt war der Streit derart eskaliert, dass sich Justizminister Bernd Busemann (CDU) eingeschaltet und auf eine gütliche Einigung gedrängt hatte.

In dem Streit war es in erster Linie um das Besuchsrecht des leiblichen Vaters und der Großmutter des Jungen gegangen. Die Pflegeeltern und auch der Verband der Pflegeeltern „Peil“ hatten dem zuständigen Amtsrichter vorgeworfen, in seinen Entscheidungen zugunsten der leiblichen Angehörigen habe er das Wohl des Kindes aus den Augen verloren. Die Pflegeeltern hatten stets argumentiert, von den Besuchen sei der Junge regelmäßig verstört zurückgekehrt. Das Paar wollte daher verhindern, dass Dennis seinen leiblichen Vater und seine Oma ohne Begleitung zu sehen bekommt. Außerdem sollten die Besuche weniger häufig stattfinden. Das Amtsgericht Winsen habe sie dennoch gestattet - obwohl Gutachten die Befürchtungen bestätigt hätten, hatten Pflegeeltern und der Verband berichtet.

Gegen diese Darstellung wehrt sich nun die Justiz in ungewöhnlich scharfer Form. Die eingesetzte Verfahrenspflegerin habe zunächst ebenfalls von unbegleiteten Besuchen abgeraten, heißt es in der Mitteilung des Landgerichts. „Im weiteren Verlauf ist sie dann jedoch immer zweifelnder geworden und hat zuletzt das Verhalten der Pflegeeltern als für das Kind schädlich beanstandet.“ Das Gericht bezweifelt zugleich, ob das Paar aus Winsen überhaupt geeignet ist, Kinder in Pflegschaft zu nehmen: „Vielmehr hat die Sachverständige in einer ausführlichen Sachstandsmitteilung Gesichtspunkte aufgeführt, die geeignet sind, die Betreuungsfähigkeit der (ehemaligen) Pflegeeltern in Frage zu stellen.“

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