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Der Norden Alle gegen einen in Hildesheim
Nachrichten Der Norden Alle gegen einen in Hildesheim
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10:40 16.09.2013
Foto: Die Kombo zeigt den Hildesheimer Oberbürgermeister Kurt Machens (l., parteilos) und den Gegenkandidaten von CDU, SPD und Grüne zur Oberbürgermeisterwahl, Ingo Meyer (parteilos).
Die Kombo zeigt den Hildesheimer Oberbürgermeister Kurt Machens (l., parteilos) und den Gegenkandidaten von CDU, SPD und Grüne zur Oberbürgermeisterwahl, Ingo Meyer (parteilos). Quelle: dpa
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Hildesheim

Alle gegen einen in Hildesheim: Bei der Oberbürgermeisterwahl am kommenden Wochenende tritt ein von SPD, CDU und Grünen gemeinsam unterstützter Kandidat an, um den mit Unterbrechung seit 1991 regierenden Amtsinhaber Kurt Machens vom Thron zu stoßen. Zwar flog Machens wegen einer Spendenaffäre bereits aus der CDU, und der Stadtrat wählte ihn 2002 ab. Bei der ersten Direktwahl 2006 aber stimmte die Mehrheit der Hildesheimer für den nun parteilosen "König Kurt".

Das machte die Arbeit im Rathaus nicht einfach. Nachdem ein CDU-interner Anlauf im Frühjahr, Machens doch wieder als Kandidaten zu gewinnen, im Sand verlief, wollen alle Parteien nun das Kapitel Machens gemeinsam mit aller Macht beenden. Nach einigen Turbulenzen bis zu seiner Nominierung übt Ingo Meyer (44) sich derzeit im Klinkenputzen. Der gebürtige Hildesheimer hat zwar 30 Jahre in der Stadt verbracht, arbeitet aber inzwischen als Anwalt und Steuerberater in einer internationalen Kanzlei in Frankfurt. "Natürlich kenne ich viele Leute, aber die breite Basis nicht", bringt er sein Starthandicap im Vergleich zu Machens auf den Punkt.

Dieser ist so bekannt, dass ihm Vorname und Foto auf dem Wahlplakat ausreichen. Meyer unterdes zieht durch die Vereine und lässt keine öffentliche Veranstaltung aus, um mit seiner Person und seinen Vorstellungen für die Stadt bekanntzuwerden. "Das Wichtigste ist: Die permanenten Querelen zwischen Verwaltung, Rat und Stadtspitze müssen ein Ende haben", sagt Meyer. "Darunter leidet die Stadt, und das schadet ihrem Ansehen." Meyer will die Wirtschaft voranbringen, Arbeitsplätze schaffen und Hildesheim familienfreundlicher machen. "Die Kita-Sätze müssen wieder runter." Er verspricht eine sachorientierte Politik, er habe nicht im Voraus ein Wahlprogramm geschmiedet, dass alle Parteien unterschreiben können.

Der Spendenskandal um den Verein „Pecunia non olet“

Hildesheims Oberbürgermeister Kurt Machens hat mit dem Spendenskandal um den Verein „Pecunia non olet“ („Geld stinkt nicht“) Schlagzeilen gemacht. Der heute parteilose OB - früher CDU - hatte im Jahr 2000 nach dem Teilverkauf der Stadtwerke geheim gehaltene Großspenden von zusammen rund 470.000 Euro von den Erwerberfirmen Ruhrgas und Thüga erhalten. Das Geld leitete er am Stadtrat vorbei. Es floss in den von ihm gegründeten Pecunia-Verein, von wo aus es zu Wohltätigkeitszwecken eingesetzt wurde.

Dafür wurde Machens wegen Untreue zu sechs Monaten Bewährungsstrafe verurteilt. Persönlich bereichert hatte er sich nicht. Die größtenteils noch vorhandene Summe steckte die Stadt später in eine Bildungs- und in eine Sportstiftung.

"Die große Chance für Hildesheim ist, dass ich auf ein breites Fundament mit großer Unterstützung setzen kann", so Meyer. Dass drei Parteien an einem Strang zögen, sei ungewöhnlich, habe aber nichts mit Gleichschaltung zu tun. "Alle drei denken, dass es so nicht weitergeht." Machens (58) ist da anderer Ansicht - und hat bereits Konzepte für acht weitere Jahre im Amt. Auch er will in neue Arbeitsplätze investieren, die knapp 100 000 Einwohner große Stadt ökologisch ausrichten. Und er verweist auf erzielte Erfolge, die Ansiedlung von Firmen mit vielen hundert neuen Jobs, die Schaffung neuer Standorte für Klinik und Universität und die Halbierung der städtischen Schulden.

"Die Bürger erleben schon, dass ich für ihre Stadt lebe, mich viel einsetze und nah dran bin an den Problemen", meint Machens. "Ich hoffe, dass sie dieses auch für die letzten sieben Jahre anerkennen und die positiven Entwicklungen nicht vergessen." Der Wunsch, ihn zu entmachten, habe die sachliche Auseinandersetzung in den Hintergrund treten lassen. "Da scheint jedes Mittel Recht zu werden, beobachtet man gerade die letzten drei Wochen des Wahlkampfes", beklagt Machens. "Ich weiß, dass die Fraktionen wie auch die Parteien einem enormen Erfolgsdruck ausgesetzt sind. Scheitert das Modell des gemeinsamen Kandidaten der drei größten Parteien in der Stadt, weckt das sicher auch landesweit politische Aufmerksamkeit." Im Rat der Stadt sind CDU und SPD gleich stark vertreten, dritte Kraft sind die Grünen.

dpa

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