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Der Norden Mädchenmörder steht vor Gericht
Nachrichten Der Norden Mädchenmörder steht vor Gericht
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00:15 10.03.2014
Von Saskia Döhner
Foto: „Mein Mandant tut eine Art Buße“: Verteidiger Frank Otten spricht im Landgericht mit dem 45-jährigen Angeklagten, der den Mord an der neunjährigen Christina eingeräumt hat.dpa
„Mein Mandant tut eine Art Buße“: Verteidiger Frank Otten spricht im Landgericht mit dem 45-jährigen Angeklagten, der den Mord an der neunjährigen Christina eingeräumt hat.dpa Quelle: Friso Gentsch
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Osnabrück

Die Trauer sitzt tief, auch nach 26 Jahren. Als gestern die Anklage vor dem Landgericht Osnabrück verlesen wird, stehen Angehörigen und Freunden des Opfers die Tränen in den Augen. Auf der Anklagebank sitzt ein 45-Jähriger.

Im November 1987 ist er 19 Jahre alt. In einer Osnabrücker Kleingartenkolonie trifft er die neunjährige Christina. Das Mädchen hat verschlafen und ist ausnahmsweise allein auf dem Weg zur Schule. Der junge Mann packt die Schülerin, zerrt sie in ein Gebüsch und will sie vergewaltigen. Es gelingt ihm nicht. Als Christina sagt, sie werde ihrer Mama davon erzählen, erstickt der 19-Jährige das Kind.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 45-Jährigen Mord vor. Er selbst hat durch sein Geständnis die Anklage erst möglich gemacht. Denn ohne seine Aussage hätte die Staatsanwaltschaft keinen Beweis für einen Mord gehabt, sagt Gerichtssprecher Holger Janssen. Dadurch dass der Mann das Kind tötete, um eine andere Straftat zu vertuschen, wird die Tat zum Mord. Totschlag und versuchte Vergewaltigung wären längst verjährt gewesen. Hätte er den Vorwurf geleugnet - der 45-Jährige wäre ein freier Mann geblieben.

Er wolle sich aber der Verantwortung stellen, sagt sein Anwalt Frank Otten. „Das ist ihm wirklich wichtig“, betont der Anwalt. Dem Angeklagten sei klar, dass er voraussichtlich wegen Mordes verurteilt werde mit einer anschließenden Freiheitsstrafe. „Die Hoffnung ist die, dass er eine Art von Buße tut“, sagt Otten. Auch wenn sein Mandant die Tat all die Jahre lang sicherlich zu verdrängen versucht habe, habe er doch oft an sie denken müssen, wenn er etwa Kinder in Christinas Alter gesehen habe. „Auch der Jahrestag war ihm sehr präsent“, sagt Otten.

Der Fall wurde erst im vergangenen Jahr aufgeklärt. Mithilfe moderner Analysemethoden konnten auf einem Kleidungsstück des Mädchens noch DNA-Spuren des Täters gesichert werden. Der Fall wurde in der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ gezeigt, erneut meldeten sich Zeugen. Der 45-Jährige, der all die Jahre unbescholten in Osnabrück gelebt hatte, kam der Aufforderung freiwillig nach, sich einer DNA-Probe zu unterziehen. Im Polizeiverhör gab der verheiratete Mann den Mord zu. Christinas Vater nimmt als Nebenkläger an dem Prozess teil. Er ist erleichtert, dass nach so langer Zeit ein Täter ermittelt werden konnte.

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