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Der Norden Mann will Mutter töten, ersticht aber Fremden
Nachrichten Der Norden Mann will Mutter töten, ersticht aber Fremden
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20:38 05.07.2016
Der 40-jährige Angeklagte schweigt am ersten Prozesstag. Quelle: dpa
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Braunschweig

Wenn die Krankenschwestern über das Geschehen am 15.  Februar im Klinikum Wolfsburg berichten, müssen einige noch weinen. In einem der Patientenbetten wird an diesem Tag ein Mann mit einem Küchenmesser niedergestochen. Der Angreifer muss sich seit Dienstag am Landgericht Braunschweig verantworten.

Der mutmaßliche Mord ist das Resultat aus psychischen Problemen, Drogen und einer folgenschweren Verwechslung. Zu den Vorwürfen schweigt der 40 Jahre alte Angeklagte. Doch für die Staatsanwaltschaft steht fest: Er hat einen demenzkranken, 85 Jahre alten Patienten umgebracht – in der Annahme, es handele sich um seine Mutter.

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Mit einem Messer bewaffnet war er in die Klinik gekommen. Zu diesem Zeitpunkt lag seine Mutter schon einige Tage auf der Station, weil ihr Sohn sie zuvor schwer verletzt hatte. Immer wieder war es zwischen den beiden zum Streit gekommen. Der Angeklagte leidet seit Jahren an einer Psychose, er fühlte sich bedroht. „Er ging davon aus, dass seine Mutter der Teufel sei“, erklärt ein psychiatrischer Gutachter vor Gericht.

Mann versucht sich nach Tat selbst umzubringen

Obwohl die Mutter ihn an diesem Tag nicht sehen will und die Krankenschwestern den Mann wegschicken, kehrt er zurück. Zu ihrem Schutz und aus praktischen Gründen wechselt die Mutter in der Zwischenzeit das Zimmer. Das 85 Jahre alte spätere Opfer wird in den freien Raum verlegt. Als der Angreifer noch einmal auftaucht, reagiert er nicht auf die Krankenschwestern, die ihn wegschicken wollen. Er geht ins vermeintliche Zimmer seiner Mutter, sieht dort den 85-Jährigen liegen. Weil er glaubt, seine Mutter habe die Gestalt des Mannes angenommen, um ihn zu täuschen, sticht er trotzdem zu. Dann geht er.

Polizisten nehmen den 40-Jährigen wenig später bei einem Bäcker fest, wo er an einem Stehtisch ein Brötchen isst. Die scheinbare Teilnahmslosigkeit ist für die Staatsanwaltschaft Ausdruck der psychischen Krankheit. Erst bei der Festnahme fällt auf, dass der Mann eine blutige Stichverletzung am Bauch hat, weil er noch vor der Tat versucht hatte, sich selbst umzubringen.

Für schuldfähig hält die Staatsanwaltschaft den 40-Jährigen nicht. Sie will den Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus unterbringen lassen. Ein Urteil wird Ende des Monats erwartet.

05.07.2016
Heiko Randermann 08.07.2016