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Der Norden 100 Jahre Flugerfahrung
Nachrichten Der Norden 100 Jahre Flugerfahrung
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20:17 16.08.2013
Von Klaus von der Brelie
Foto: Alle Hubschrabuer der deutschen Marine sind neuerdings in Nordholz bei Cuxhaven stationiert.
Alle Hubschrabuer der deutschen Marine sind neuerdings in Nordholz bei Cuxhaven stationiert. Quelle: dpa
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Nordholz

„Mit allerhöchster Kabinettsorder“ hat Kaiser Wilhelm II. eine ganz besondere Sparte in der deutschen Armee gegründet. Am 3. Mai 1913 befahl er die Aufstellung der ersten deutschen Marinefliegerkräfte. Auch wenn der Geburtstag schon ein paar Wochen verstrichen ist - die Bundeswehr will ihn an diesem Wochenende in Nordholz bei Cuxhaven mit einem großen Programm und vielen Gästen feiern. Zu einem Tag der offenen Tür werden am Sonntag auf dem Stützpunkt 90 000 Besucher erwartet. Mehr als 50 Flugzeuge aus elf Nationen werden präsentiert, viele davon nehmen von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr an einer Flugschau teil.

Vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs erzielte der kaiserliche Befehl nur bescheidene Wirkung. Kaum mehr als 660 Soldaten dienten in der Marinefliegerabteilung, nur 15 Flugzeuge und ein Luftschiff standen ihnen zur Verfügung. Dennoch gelang es der kleinen Truppe recht schnell, sich als Aufklärer oder Torpedoflieger zu bewähren. Die Folge: Der Kaiser ließ aufrüsten. 1918 zählte die Marinefliegerei mehr als 16 000 Soldaten, 2500 Flugzeuge und 78 Luftschiffe. Wenn alle Wünsche in Erfüllung gegangen wären, hätte die Marine sogar einen Flugzeugträger bekommen. Doch dazu kam es nicht, als der Krieg 1918 verloren war, verfügten die Sieger im Versailler Vertrag das Ende der Luftfahrt in Deutschland.

Heimlich und gut getarnt wagten die Marineflieger in den zwanziger Jahren einen Neustart. Ab 1935 wurden auf Betreiben der Wehrmacht „Seeluftstreitkräfte“ in die Kriegsmarine integriert. Auch der Bau eines Flugzeugträgers wurde jetzt realisiert, am 8. Dezember 1938 feierte die Armee den Stapellauf des Flugzeugträgers „Graf Zeppelin“. 43 Flugzeuge sollte er an Bord nehmen, Sturzkampfbomber, Torpedobomber und auch Jagdflugzeuge. Komplett fertiggestgellt wurde das Superschiff allerdings nie. Ab 1943 nutzte die Kriegsmarine den Träger als Ersatzteillager, am 25. April 1945 wurden die Überreste in Stettin gesprengt.

Ein Eigenleben war den Marinefliegern im zweiten Weltkrieg nicht vergönnt. Reichsmarschall Hermann Göring unterstellte sie der Luftwaffe. Dennoch überlebte die Idee, die Marine auch mit fliegenden Einheiten auszustatten, das Ende des Zweiten Weltkriegs. Schon 1957, kurz nach Gründung der Bundeswehr, wurde in Kiel-Holtenau eine neue Marinefliegergruppe ins Leben gerufen - und mit Jagdbombern ausgerüstet. Insgesamt 110 Starfighter wurden für die Marine beschafft. Seefernaufklärer und Rettungshubschrauber kamen rasch hinzu. Auf dem Höhepunkt des kalten Krieges, Mitte der achtziger Jahre, verfügte die Bundesmarine über eine Fliegerdivision mit vier Geschwadern, mehr als 200 Flugzeugen und Hubschraubern, etwa 7000 Soldaten und 2000 Zivilbeschäftigten.

Doch seit dem Fall des eisernen Vorhangs befindet sich die Marinefliegerei - wie die Bundeswehr insgesamt - in einem kontinuierlichen Sinkflug. Ihre Tornados hat längst die Luftwaffe übernommen, die meisten Standorte sind geschlossen worden.

Alle verbliebenen Einheiten sind in Nordholz zusammengefasst, in den Marinefliegergeschwadern 3 und 5. Mit etwa 1000 Soldaten werden hier 43 Hubschrauber, acht Seefernaufklärer und zwei Ölaufklärungsflugzeuge betrieben. Helikopter der Marine leisten rund um die Uhr wertvolle Hilfe bei Rettungseinsätzen in Nord- und Ostsee sowie auf den Inseln, sind aber auch als Bordhubschrauber mit deutschen Fregatten und Korvetten auf den Weltmeeren unterwegs, zum Beispiel bei der Piratenjagd vor Somalia. Dort ist in der Regel auch ein Seefernaufklärer mit deutschem Hoheitszeichen stationiert.

Wer in diesen Tagen nach Nordholz kommt, ahnt sofort, welche Bedeutung die Marinefliegerei einst hatte. Der Fliegerhorst ist riesig - und schon lange viel zu groß für die Aufgaben, die dort noch täglich zu erledigen sind. Dennoch ist der Stolz der Marineflieger nicht zu übersehen, sie stehen zu ihrer Vergangenheit und gönnen sich ein großes Fest. Es beginnt Samstagabend mit einem Großen Zapfenstreich.

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