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Der Norden Mediziner schaffte sich „eigene Welt“
Nachrichten Der Norden Mediziner schaffte sich „eigene Welt“
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00:15 07.09.2013
Von Jürgen Gückel
Im Transplantationsprozess vor dem Göttinger Schwurgericht hat ein früherer Vorgesetzter den wegen versuchten Totschlags angeklagten Leberchirurgen Aiman O. schwer belastet.
Im Transplantationsprozess vor dem Göttinger Schwurgericht hat ein früherer Vorgesetzter den wegen versuchten Totschlags angeklagten Leberchirurgen Aiman O. schwer belastet. Quelle: dpa (Archiv)
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Göttingen

Im Transplantationsprozess vor dem Göttinger Schwurgericht hat ein früherer Vorgesetzter den wegen versuchten Totschlags angeklagten Leberchirurgen Aiman O. schwer belastet. Prof. Heinz Becker, langjähriger Direktor der Allgemeinchirurgie, verstärkte den Eindruck, den schon die Transplantationskoordinatoren am Dienstag hinterließen: Der Transplantationsmediziner O. habe sich, obwohl eigentlich ihm unterstellter Oberarzt, „eine eigene Welt“ in der Universitätsmedizin geschaffen - abgeschottet von hierarchischen Strukturen.

Der inzwischen im Ruhestand befindliche frühere ärztliche Direktor schilderte, wie er schon bei der Einstellung O.s vom damaligen Vorstand kaltgestellt wurde. Drei Ärzte hatten sich 2008 auf die Oberarztstelle mit Schwerpunkt Transplantationen beworben, alle drei hätten „einzig die Finanzen im Sinn gehabt“. O., der beste Bewerber, habe 170.000 Euro Jahresgehalt und 2500 Euro Bonus je verpflanzter Leber gefordert. Diese Extrazahlungen je Transplantation habe er abgelehnt, so Becker. Das sei unmoralisch. Gegen den ersten Vertragsentwurf habe er protestiert. Darauf wurde er vom Vorstand von den Verhandlungen ausgeschlossen. In der weiteren Vernehmung des 65-jährigen Becker kam heraus, dass O. vorgeworfen wurde, Patienten, die als Private abzurechnen gewesen wären, zu „Selbstzahlern herunterdefiniert“ zu haben, damit O. sie selber behandeln konnte.

Am Mittwoch wurde außerdem Axel Rahmel, der ärztliche Direktor von Eurotransplant in Leiden, vernommen. Er widersprach der Behauptung des Angeklagten, für Schwerkranke gebe es genügend Spenderorgane, mit eindrucksvollen Zahlen. Seit 2007 sind demnach 3281 Menschen auf der Warteliste gestorben - jede Woche zehn Menschen, für die keine Spenderleber zur Verfügung steht.

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