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Der Norden Minengefahr am Grenzstreifen
Nachrichten Der Norden Minengefahr am Grenzstreifen
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19:20 11.05.2012
Von Saskia Döhner
Nur noch der Grenzpfahl erinnert an die ehemalige innerdeutsche Grenze auf dem Warteberg nahe Klettenberg bei Nordhausen. Quelle: Jens Wolf
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Duderstadt

Die Vergangenheit begleitet Spaziergänger auf dem Grünen Band entlang der früheren deutsch-deutschen Grenze auf Schritt und Tritt. Die Erinnerung hat ihre Tücken: Zwar hat sich der Todesstreifen in den vergangenen 20 Jahren zu einem Naturbiotop entwickelt, aber Minen aus der DDR-Zeit erweisen sich als eine gefährliche Altlast. Eine neue Studie des thüringischen Umweltministeriums hat ergeben, dass auf rund 25 Kilometern ein erhöhtes Restrisiko besteht, auf eine Mine zu stoßen. Konkret seien 42 Stellen betroffen, heißt es.

Dazu gehören auch die Brehme-Aue zwischen Duderstadt und Ecklingerode und Teile des Duderstädter Stadtwaldes. Diese Flächen hat die Sielmann-Stiftung seit 1996 gepachtet und kümmert sich für das Grüne Band um die Landschaftspflege. „Es besteht kein Grund zur Panik“, sagt Holger Keil von der Stiftung. Wichtig sei nur, dass Spaziergänger und Radfahrer auf den ausgeschilderten Wegen blieben. „Man kann auch von dort aus die Natur wunderbar genießen.“ Die Stiftung lässt gerade entsprechende Warnschilder anfertigen. Auf Rad- und Wanderwegen und auf Rastplätzen bestehe überhaupt kein Risiko, auf eine Mine zu treten, versichert Keil.

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Am ehemaligen Grenzstreifen seien zu DDR-Zeiten rund 1,2 Millionen Minen verlegt worden, sagt Andreas Maruschke, Sprecher des thüringischen Umweltministeriums, meist in unwegsamen, nicht einsehbaren Abschnitten. Schon Mitte der achtziger Jahre seien aber die meisten Minen durch NVA-Truppen wieder herausgeholt worden. Nach dem Fall der Mauer habe es weitere Räumaktionen gegeben, so dass der Bundesverteidigungsminister 1995 erklärte, nach menschlichem Ermessen sei die Grenze minenfrei. Aber vereinzelt könnten eben doch noch gefährliche Altlasten in der Erde lagern, heißt es in dem Gutachten. So seien möglicherweise in Überschwemmungsgebieten und an Steilhängen Minen in die Tiefe gerutscht, andere bei Räumungen übersehen worden.

Maruschke vom Umweltministerium in Erfurt verweist darauf, dass sich die Gefahrenlage durch das neue Gutachten nicht verändert habe: „Es bestand vor dem Gutachten genau dasselbe Restrisiko wie vorher, wir haben nur noch etwas genauer hingeguckt.“ Es sei äußerst unwahrscheinlich, beim Spazierengehen auf eine Mine zu treten. Nur wer wirklich in die Erdoberfläche eingreife, wenn also etwa ein Landwirt den Boden durchpflüge, sei Vorsicht geboten.

Thüringen hat jetzt seine Nachbarländer über die Ergebnisse des Gutachtens informiert. Beim niedersächsischen Innenministerium heißt es, die betroffenen Gemeinden seien in Kenntnis gesetzt worden. In welchem Umfang niedersächsische Flächen unter einem erhöhten Restrisiko stehen, sei noch völlig unklar.

Die geplante Erweiterung des Grünen Bandes stößt unterdessen bei den Bauern im Kreis Göttingen auf Widerstand. Mit einer Unterschriftensammlung soll ein Schutzgebiet von 31000 Hektar verhindert werden. Die Landwirte befürchten erhebliche Nutzungseinschränkungen. Keil von der Sielmann-Stiftung gibt sich kompromissbereit. Man nehme die Ängste der Bauern ernst und wolle sich zu weiteren Gesprächen treffen. Das länderübergreifende, insgesamt elf Millionen Euro teure, Schutzgebiet „Grünes Band Eichsfeld-Werratal“ könne für seltene Tierarten wie Luchs und Wildkatze ein bedeutendes Rückzugsgebiet werden.

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