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Der Norden Neuer Rettungs-Helikopter trotzt dem Nordseewind
Nachrichten Der Norden Neuer Rettungs-Helikopter trotzt dem Nordseewind
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15:39 13.12.2012
Helikopter „Seacloud“ steht für Rettungseinsätze bereit.
Helikopter „Seacloud“ steht für Rettungseinsätze bereit. Quelle: dpa
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Emden

Die Baustellen der Offshore-Windparks in der Nordsee werden sicherer. Für notfallmedizinische Einsätze steht jetzt ein neuer, spezieller Rettungshubschrauber rund um die Uhr in Emden bereit. „Er fliegt auch, wenn es ein bisschen kräftiger windet“, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Donnerstag bei der Taufe des Helikopters „Seacloud“ vom Typ Eurocopter AS 365 Dauphin. Das Emder Unternehmen NorthernHelicopter hat in das fliegende Krankenzimmer rund 2,5 Millionen Euro investiert.

Drei tödliche Unfälle sind bisher von den Windparks „Alpha Ventus“ und „Bard Offshore 1“ bekannt, hinzu kommen mehrere Dutzend kleinerer Unfälle. NorthernHelicopter hat innerhalb von 18 Monaten bereits 30 Offshore-Rettungsflüge geleistet. Seit 2008 waren die Maschinen zudem mehr als 2300 mal für Krankentransporte auf den Inseln und am Festland im Einsatz.

Bei gutem Wetter arbeiten an manchen Tagen mehr als 1000 Menschen auf den Offshore-Baustellen. Allein für das Unternehmen Bard sind zu Spitzenzeiten täglich mehr als 500 Arbeiter für die Montage der 80 Windkraftanlagen auf Plattformen und Schiffen unterwegs. In Notfällen beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit: Das nächste Krankenhaus liegt mehr als 100 Kilometer entfernt auf dem Festland.

Während es an Land Standards für die Notfallrettung gibt, fehlten für Offshore-Plattformen bislang klare Vorgaben. Auf den Windparks in Nord- und Ostsee herrschen wegen des unberechenbaren Wetters und langer Flugzeiten erschwerte Bedingungen. „Nach einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einem schweren Trauma zählt jede Minute“, sagte NorthernHelicopter-Geschäftsführer Frank Zabell.

Die Windpark-Betreiber der Anlagen müssen daher ein akut- und notfallmedizinisches Versorgungskonzept nachweisen. Dies umfasst besondere Anforderungen wie die Hausarztbetreuung per Funk und speziell ausgerüstete Hubschrauber. Zudem müssen Rettungsassistenten auch als Höhen- und Wasserretter qualifiziert sein.

Als bisher erster und einziger deutscher Anbieter erfüllt NorthernHelicopter zusammen mit dem Unternehmen „Offshore Rettung und Sicherheit“ (ORS) nach eigenen Angaben diese Anforderungen. ORS wurde 2011 auf Initiative des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Ammerland, gegründet. Mit der Leitstelle SeaLink in Rastede beschäftigt das gemeinnützige Unternehmen mehr als 30 Mitarbeiter, darunter erfahrene Piloten sowie 24 Ärzte und Rettungsassistenten. Zudem besteht eine Kooperation mit dem Klinikum Oldenburg.

Im 12 bis 200 Seemeilen von der Küste entfernten deutschen Seegebiet sei die Notfallversorgung bei einem größeren Unfall eigentlich staatliche Aufgabe, sagte Innenminister Schünemann. Anfang 2013 sei darüber eine Vereinbarung zwischen dem Bund und den Küstenländern geplant.

dpa