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Der Norden Neun Jahre Haft für Mord an Prostituierter
Nachrichten Der Norden Neun Jahre Haft für Mord an Prostituierter
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14:42 22.01.2015
Der Angeklagte (links) im Gericht in Osnabrück. Quelle: dpa
Osnabrück

Ein 23 Jahre alter Mann muss wegen des Mordes an einer Prostituierten für neun Jahre ins Gefängnis. Wegen einer psychischen Erkrankung des Mannes ging das Landgericht Osnabrück von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit aus. Daher machte das Gericht am Donnerstag von der Möglichkeit Gebrauch, von einer lebenslangen Gefängnisstrafe abzusehen. Trotz der Erkrankung, einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie, wertete die Schwurgerichtskammer die Tat als Mord. Das 25 Jahre alte Opfer sei arglos gewesen, die Tat daher heimtückisch. Der 23-Jährige habe die junge Frau mit dem Vorsatz aufgesucht, sie umzubringen, stellte der Vorsitzende Richter fest. Allerdings könne ein Mord aus Habgier, wie von der Staatsanwaltschaft behauptet, nicht bewiesen werden.

Das Gericht berief sich weitgehend auf ein psychiatrisches Gutachten. „Die Tötung passt zum innerpsychischen Mechanismus“, sagte der Vorsitzende. Möglicherweise habe ein etwas lauter geführtes Gespräch zwischen Opfer und Täter im Vorfeld des Mordes die Tat ausgelöst. Der Gutachter habe eine erheblich eingeschränkte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten festgestellt. Der Verurteilte hatte die Tat zwar gestanden, aber zum Motiv keine Angaben gemacht. Seine Beute betrug 80 Euro, ein Laptop und ein Smartphone.

Seit Mai vergangenen Jahres lebte der Mann in einer Asylunterkunft in Damme bei Vechta. Am 2. Juli fuhr er von Damme nach Osnabrück und besuchte im dortigen Bahnhofsviertel das Bordell. Dort nahm er zweimal die Dienstleistung seines späteren Opfers in Anspruch. Als er abends noch ein drittes Mal auf das Zimmer der 25-Jährigen kam, sei die junge Frau davon ausgegangen, dass er wieder Geschlechtsverkehr von ihr wollte, sagte der Richter. Er habe aber mit einem Messer auf sie eingestochen und sie erstickt, als er ihr wegen ihrer Schreie den Mund zuhielt.

Der heute 23-Jährige sei im Frühjahr 2014 aus Marokko nach Deutschland gekommen und habe in Bremen unter falschem Namen Asyl beantragt, damit seine Familie nichts von dem Aufenthaltsort erfahre, sagte der Richter. Nach dem Tod des Vaters habe sein Onkel in Frankreich die Erziehung übernommen, als er neun Jahre alt war. Mit seinem Onkel sei es immer wieder zu Konflikten gekommen: Der Verurteilte habe Spaß haben und Alkohol trinken wollen, womit sein Onkel nicht einverstanden gewesen sei, sagte der Richter. In Frankreich war er wegen Diebstahlsdelikten zu einer dreimonatigen Haft verurteilt worden. Dort sei auch die psychische Erkrankung diagnostiziert worden.

Der Anwalt des Verurteilten, Thomas Klein, sprach von einem „sachgerechten Urteil“. In Revision werde er wohl nicht gehen. Er hoffe, dass die Krankheit seines Mandanten im Gefängnis behandelt werde.

dpa

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