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Der Norden Niedersachsen braucht neues Wolfskonzept
Nachrichten Der Norden Niedersachsen braucht neues Wolfskonzept
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08:26 23.03.2015
Von Kristian Teetz
„Schmerzen zufügen“: Wolf neben einer Straße im Landkreis Cloppenburg. Quelle: Petra Averbeck
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Hannover

Die Behörden hätten viel zu lange Zeit nicht auf die Übergriffe der Raubtiere auf Schafe reagiert und die Bevölkerung schlecht informiert, sagte Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau der HAZ.

CDU und FDP hatten der rot-grünen Regierung in der vergangenen Woche im Landtag vorgeworfen, sie nehme die Sorgen der Menschen nicht ernst genug. Der FDP-Abgeordnete Gero Hocker forderte sogar, den Wolf ins Jagdrecht zu integrieren, ihn also auch zum Abschuss freizugeben. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hatte entgegnet, man nehme die Sorgen der Menschen sehr wohl ernst, die um ihre Sicherheit oder mögliche wirtschaftliche Schäden bangten. Der studierte Förster Ulrich Wotschikowsky beschäftigt sich schon lange mit dem Raubtier, das seit der Jahrtausendwende wieder heimisch in Deutschland wird. Er habe unter anderem an den Managementplänen zu Wölfen in Sachsen und Brandenburg mitgearbeitet. „Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen und Monate muss Niedersachsen sein Wolfsmanagement komplett überarbeiten“, fordert er.

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So hält Wotschikowsky die Pläne des niedersächsischen Umweltministeriums, einen in Wildeshausen bei Oldenburg umherstreunenden Wolf zu betäuben, mit einem Peilsender zu versehen, wieder auszusetzen und dann mit Gummigeschossen zu vergrämen, für falsch. „Welcher Landkreis soll den Wolf denn danach wieder aufnehmen?“, fragt der 75-Jährige. „Die werden doch alle sagen: nicht bei uns.“ Dann lande das Tier in einem Gehege. „Und das ist das Schlimmste, was einem Tier, das in der freien Wildnis lebt, passieren kann.“ Deswegen solle das Land auf das Betäuben und Einfangen verzichten und das Tier, wenn es denn entdeckt wird, sofort vergrämen. „Wichtig dabei ist, dass der Schütze mit seinen Gummigeschossen aus dem Auto aussteigt.“ Der Wolf müsse die Schmerzen mit dem Menschen verbinden, nicht mit einem Fahrzeug.

Wotschikowsky kritisiert auch den Umgang mit den geschädigten Schäfern. Das Ministerium habe zu lange nicht reagiert, findet der Bayer. „Das Land hätte den Schäfern schneller helfen müssen.“ So hätte die Regierung etwa Zäune zur Verfügung stellen können, die die Herden schützen. Schafzüchter wie Werner Olschewski aus Goldenstedt (Landkreis Vechta) beklagen sich schon länger über fehlende Unterstützung. Olschewski sieht sogar seine Existenz bedroht. „Wenn es weiterhin keine Regelung gibt, dass uns der gesamte Schaden und alle Ausgaben vom Land ersetzt werden, dann bedeutet dies das Aus für mich als Schafzüchter“, sagt der Tierhalter. „Und nicht nur für mich, sondern für viele Züchter.“

Auch bei der Analyse von Schafrissen sieht Wotschikowsky Verbesserungsbedarf. Die DNA-Analyse, die nach einem Riss den Nachweis bringen soll, dass ein Wolf die Schafe getötet hat, dauere viel zu lange. „Viel sinnvoller ist es, wenn ausgebildete Rissexperten die Tiere analysieren. Das geht viel schneller.“ Wotschikowsky empfiehlt dem Land, sich beim Thema Vergrämung Hilfe aus dem Ausland zu holen. „Ich habe der Landesregierung schon vorgeschlagen, dass sie sich an Schweden wendet.“ Seine Lösungsansätze kann Wotschikowsky am Dienstag noch einmal wiederholen. Dann ist er nach eigener Aussage gemeinsam mit anderen Wolfsexperten zu einem Gespräch ins niedersächsische Umweltministerium eingeladen.

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