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Der Norden „Das Land hat zu viele Hochschulen“
Nachrichten Der Norden „Das Land hat zu viele Hochschulen“
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18:02 14.08.2013
Das Land Niedersachsen will den Unis einen Ersatz für die wegfallenden Studiengebühren garantieren. Quelle: dpa
Hannover

Niedersachsen könne darauf antworten, indem die hiesigen Unis „ihre Kräfte bündeln“. Der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz, Braunschweigs TU-Präsident Jürgen Hesselbach, pflichtete dem bei: „Niedersachsen hat sich zu viele Hochschulstandorte geleistet. Jetzt kommt es darauf an, Verbünde zu schaffen.“

Die Landesregierung und die Hochschulen beraten gegenwärtig über einen Vertrag, der vor allem eine langfristige Sicherung der Landeszuschüsse für alle Hochschulen garantieren soll. Auch der Ausgleich für die Abschaffung der Studiengebühren ab dem Wintersemester 2014 wird dort geregelt. Strukturreformen sind aus diesem Vertragswerk bisher ausgeklammert. Heinen-Kljajic sagte aber, dass ihr Ministerium die „Niedersächsische Technische Hochschule“ (NTH) schon bis Mitte 2014 überprüft haben will.

Die seit viereinhalb Jahren arbeitende NTH ist ein Zusammenschluss der technischen Disziplinen aus den Hochschulen Hannover, Braunschweig und Clausthal, mit diesem Verbund wollte das Land in bundesweiten Wettbewerben auftrumpfen – bisher aber ohne den gewünschten Erfolg.

Eine NTH-Reform könnte so aussehen, dass die gesamten Unis in Hannover und Braunschweig in den Verbund einbezogen werden, also auch die bisher ausgeklammerten geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Auch könnte die NTH-Führung mit mehr Macht ausgestattet werden. Bisher scheitert die Konzentration bestimmter Studienfächer an einem Standort daran, dass alle drei Partner ihre Besitzstände verteidigen. Hesselbach sagte, das Präsidium habe keine ausgeprägte Entscheidungsstärke. Zwischen Hannover und Braunschweig herrsche, was NTH-Reformen angehe, große Übereinstimmung. Heinen-Kljajic sagte, die NTH könne künftig stärker „mit anderen Wissenschaftseinrichtungen in der Region Hannover und Braunschweig zusammenarbeiten“.

Während diese Debatte bisher nach Ansicht der Ministerin „ergebnisoffen“ ist, zeichnen sich in der Frage der Hochschulfinanzen schon klare Regeln ab: In einem neuen Vertrag, der im Dezember den Landtag passieren soll, garantiert das Land den Unis einen Ersatz für die wegfallenden Studiengebühren – und zwar bis zum Jahr 2018. Im Gespräch ist eine Kopfpauschale für jeden Studenten in Höhe von 430 bis 450 Euro je Semester. Die genaue Höhe muss noch ausgehandelt werden. Heinen-Kljajic geht von 450 Millionen Euro des Landes in den nächsten fünf Jahren aus. Hesselbach sagte, an diesem Modell gebe es „nichts zu nörgeln“. Allerdings will das Land strengere Auflagen erteilen als bisher bei den Studiengebühren: Die Zuschüsse sollen nur zur Stärkung der Lehre ausgegeben werden, nicht etwa für alle Arten von Bauprojekten, sie sollen binnen zwei Jahren verbraucht werden (mit Ausnahmen) und die Hochschulleitungen müssen im Einvernehmen mit den Studentenvertretungen über die Verwendung des Geldes entscheiden. Hesselbach sagte, er wünsche sich hier, dass es ausreichen soll, die Studentenvertretung frühzeitig zu informieren.

Bis Mitte 2014 soll zudem die Reform der Hochschulfinanzen angeschoben werden: Knapp die Hälfte der Mittel für die Unis sind bisher nicht fest, sondern variabel, hängen also von eingeworbenen Drittmitteln ab. Diese müssen dann wieder vom Land gegenfinanziert werden. Die Hochschulen möchten erreichen, dass der Anteil der festen Zuweisungen deutlich erhöht wird. Dazu sind neue Bund-Länder-Regeln notwendig.

Doktoranden werden gebremst

Nach verschiedenen Plagiatsfällen bei Doktorarbeiten will Wissenschaftsminister Gabriele Heinen-Kljajic die Regeln für Promotionen verschärfen. Ein Professor soll nicht mehr allein entscheiden dürfen, ob er die Betreuung einer Doktorarbeit annimmt – ein zweiter Wissenschaftler soll zustimmen müssen. Zwischen Doktoranden und Doktorvater soll außerdem eine klare Vereinbarung getroffen werden, in der die Betreuung detailliert geregelt wird. Heinen-Kljajic denkt außerdem an eine Höchstzahl von Doktoranden, die von einem Professor gleichzeitig betreut werden dürfen. Damit könne die Gefahr einer Schummelei oder oberflächlichen Begutachtung der Arbeiten eingedämmt werden, betont die Ministerin. Sie will ihre Vorschläge in den Vertrag schreiben, der zwischen Land und Hochschulen geschlossen werden soll. Prof. Jürgen Hesselbach von der TU Braunschweig sagte, über die Reformvorschläge müsse man sich „unterhalten“. Eine Obergrenze von Doktoranden je Professor halte er für „problematisch“. Plagiatsfälle seien zudem „kein Massenphänomen“. Hochschulen erhalten bisher mehr Zuschüsse, je mehr neue Doktoren sie hervorbringen.

kw

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