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Der Norden Pfeiffer: Gerade die U-Haft ist gefährlich
Nachrichten Der Norden Pfeiffer: Gerade die U-Haft ist gefährlich
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20:58 02.08.2013
Hat Gewalt in Gefängnissen untersucht: Der Kriminologe Christian Pfeiffer. Quelle: dpa
Hannover

Drei der Männer befänden sich noch in Braunschweig, Anfang kommender Woche soll entschieden werden, wohin diese Männer gebracht werden, die sich jetzt in einem „Dauereinschluss“ befänden. Der hannoversche Kriminologe Christian Pfeiffer hält Missbrauchsfälle wie den in Braunschweig nicht für Einzelfälle. „Gerade die Untersuchungshaft ist gefährlich“, sagte Pfeiffer am Freitag der HAZ.

Das Gewaltverbrechen ist erst Anfang der Woche bekannt geworden: Der junge Gefängnisinsasse offenbarte sein Martyrium einer Anstaltspsychologin. Seine Mitgefangenen hatten ihn nach Informationen dieser Zeitung anal mit einem Besenstiel traktiert, mit einem Kotbeutel geschlagen, ihn zu oralem Sex gezwungen und auch auf andere Weise erniedrigt. Die Verbrechen sollen sich in der Dusche ereignet haben, auch in der Zelle, möglicherweise auch in einer Raucherecke. Das Justizministerium machte zu Details des Verbrechens unter Hinweis auf den Opferschutz keine Angaben.

Eine von Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz bereits eingesetzte Expertenkommission soll Auskunft darüber geben, ob Versäumnisse bei der Aufsicht lagen oder auch bauliche Mängel das Verbrechen begünstigt haben.

Das Braunschweiger Untersuchungsgefängnis gehört zur JVA Wolfenbüttel. In der „Jugendstation“ sind durchschnittlich 18 Gefangene untergebracht, sieben Bedienstete decken nach Auskunft des Justizministeriums den Früh-, Spät- und Nachtdienst ab. Der Kriminologe Pfeiffer, der von 2000 bis 2003 selbst Landesjustizminister war, widersprach dem Eindruck, dass Gefängnis sei mit lediglich 18 Insassen übersichtlich. „Meines Wissens ist der Bereich, wo sich die Verbrechen abgespielt haben sollen, baulich ungünstig. Es würde mich nicht wundern, wenn die Expertenkommission diesen Punkt aufgreift.“

Pfeiffer hat in einer bundesweiten Studie vor einem Jahr dargelegt, dass Mobbing bis hin zu Missbrauch Alltag in deutschen Gefängnissen sei. „Jeder dritte Jugendliche hat in unserer Studie angegeben, Opfer von Gewaltübergriffen geworden zu sein.“ Gerade in der U-Haft, die den jungen Männern Freiheiten lassen müsse, könnten gefährliche Situationen entstehen, etwa beim Zellenaufschluss. „Da gibt es schnell eine Gruppendynamik, da stehen alle unter Druck, suchen manche sich ein Opfer. Und wenn ein altes Gemäuer unübersichtlich ist, werden Untaten erleichtert.“ Ihn würde es nicht wundern, wenn der gesamte Jugendbereich in Braunschweig geschlossen werden würde.

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