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Der Norden "Politik hat in Bildung nichts zu suchen"
Nachrichten Der Norden "Politik hat in Bildung nichts zu suchen"
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17:30 17.04.2012
Von Saskia Döhner
Seit 15 Jahren engagierte Elternvertreterin: Sabine Hohagen aus Ihlow.Poblete
Seit 15 Jahren engagierte Elternvertreterin: Sabine Hohagen aus Ihlow. Quelle: Gabriel Poblete Young
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Hannover

So schnell bringt die dreifache Mutter aus Ihlow-Ochtelbur im Landkreis Aurich nichts aus der Ruhe. Nur eines hat Sabine Hohagen, die sich seit 15 Jahren als Elternvertreterin engagiert, immer schon richtig geärgert: der Begriff „Bildungspolitik“. „Politik hat in Bildung nichts zu suchen“, sagt die 50-Jährige, „Bildung ist ein wichtiges Thema. Aber es ist nichts für politische Scharmützel.“ Deshalb wünscht sich auch die neue Vorsitzende des Landeselternrates genauso wie ihr Vorgänger Pascal Zimmer endlich ein Ende der ideologischen Schulstrukturdebatten. Auch wenn sie weiß, dass ihr Wunsch in Wahlkampfzeiten wohl eher nicht in Erfüllung gehen wird.

Hohagen, aufgewachsen in Bochum, lebt seit 30 Jahren in Niedersachsen. Sie ist Nordseefan (Lieblingsinsel Langeoog), passionierte Leserin und singt im Gospelchor. Zwei ihrer drei Kinder sind bereits erwachsen und studieren. Die jüngste Tochter geht in die 8. Klasse eines Gymnasiums in Aurich. Welche Rolle spielen Eltern an der Schule? „Im Idealfall sind sie Begleiter ihrer Kinder“, sagt die Diplomökonomin. Aber sie weiß, dass die Realität oft ganz anders aussieht. Da gibt es Eltern, denen die demokratische Mitwirkung an der Schule verwehrt wird. Oder Eltern, die sich beim Landeselternrat nur nach einem Rechtsanwalt erkundigen, weil sie die Schule verklagen wollen.

Trotz zahlreicher Reformen wie die Einführung der Eigenverantwortlichen Schule seien die Mitwirkungsrechte der Eltern in den vergangenen Jahrzehnten eigentlich nicht wesentlich gestärkt worden, meint Hohagen. Der Schulvorstand, in dem Lehrer, Eltern- und Schülvertreter gemeinsam Entscheidungen treffen sollen, habe leider oft nur Alibifunktion. „Der Schulleiter kommt und berichtet, man trinkt Kaffee zusammen und geht wieder nach Hause.“ Da liege viel brach, sagt die Vorsitzende des Landeselternrats bedauernd, ob aus Unkenntnis oder aus der Angst, dass Eltern zuviel Macht in der Schule gewinnen könnten. Andererseits habe es auch zahlreiche Schulen, an denen die Zusammenarbeit vorbildlich funktioniere. „Das hängt stark von den handelnden Personen ab.“

Je älter die Schüler würden, desto mehr sinke das Interesse der Eltern, hat Hohagen beobachtet. Gerade in berufsbildenden Schulen oder in den Oberstufe sei es oft schwer, überhaupt noch Elternvertreter zu finden. Aber auch in anderen Jahrgängen würden bei Elternabenden oft diejenigen Mütter und Väter in Ämter gewählt, die „nicht schnell genug nach unten geguckt haben“.

Das Hauptaugenmerk der Eltern werde auch weiterhin einer guten Unterrichtsversorgung und dem Ausbau der Ganztagsangebotes gelten, ist Hohagen überzeugt, aber auch dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap und kleineren Klassen. Nach Ansicht des Elternrates sollten nicht mehr als 25 Kinder in einer Klassen sitzen, an Grundschulen nur 20.

Klaus Wallbaum 17.04.2012
17.04.2012
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