Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Polizei bewacht Richter und Staatsanwalt
Nachrichten Der Norden Polizei bewacht Richter und Staatsanwalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:47 01.09.2014
Nach der Urteilsverkündung kam es in Hildesheim zu tumultartigen Szenen. Quelle: Gossmann
Anzeige
Hildesheim

Nach dem Urteil im Sarstedter „Ampelmord-Prozess“ muss die Polizei den Vorsitzenden Richter und den Staatsanwalt schützen. Angehörige des zu lebenslanger Haft verurteilten Deutsch-Libanesen Mohamad O. hatten am Mittwoch noch im Gerichtssaal Drohungen ausgestoßen - und die Ordnungshüter nehmen sie ernst. Noch am Abend nach der Urteilsverkündung rückte die Polizei mit einem Großaufgebot bei der Familie in der Hildesheimer Nordstadt an - zur sogenannten Gefährderansprache.

Es waren 30 Mitarbeiter der Bereitschaftspolizei, die mit den Angehörigen des mutmaßlichen Mörders, aber auch mit den Familienmitgliedern des erschossenen Syrers Abdelkader D. Klartext redeten. Sie versuchten, den aufgebrachten Familienclans Racheakte zu verbieten. Und ihnen klarzumachen, was ihnen droht, wenn sie trotzdem ihrer Wut freien Lauf lassen. Als mögliche Hauptziele der Aggression haben die Beamten den Vorsitzenden des Schwurgerichts, Ulrich Pohl, und den Staatsanwalt Wolfgang Scholz ausgemacht. Scholz hatte lebenslange Haft wegen Mordes gefordert, Pohl und seine Kammer hatten sie verhängt. Der Richter hatte in seiner Urteilsbegründung scharfe Worte für die Großfamilie des Angeklagten gefunden, sie akzeptiere den Rechtsstaat nicht und verhöhne die Justiz.

Anzeige

Am Ende kam es im Gericht zu tumultartigen Szenen, ein Bruder des untergetauchten mutmaßlichen zweiten Todesschützen drohte dem Richter, er werde noch Besuch von dem Flüchtigen bekommen. Polizeichef Uwe Ippensen kündigte an, dass seine Mitarbeiter alles tun werden, damit niemand zu Schaden komme. Erhebliche Arbeit kommt auf die Polizei auch bei der Aufarbeitung der turbulenten Szenen im Gericht zu. Gegen mehrere Mitglieder der Familie O. wird wegen Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Wie viele Verfahren eingeleitet werden, steht noch nicht fest.

Christian Wolters