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Der Norden Polizei kritisiert „Ferndiagnosen“
Nachrichten Der Norden Polizei kritisiert „Ferndiagnosen“
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20:18 06.04.2012
Von Gabriele Schulte
Foto: Zurzeit untersuchen interne Ermittler, wie es zu der Pannenserie kommen konnte.
Zurzeit untersuchen interne Ermittler, wie es zu der Pannenserie kommen konnte. Quelle: dpa
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Emden

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat „Ferndiagnosen und vorschnelle Annahmen“ im Mordfall Lena kritisiert. „Wir gehen davon aus, dass die Behörden und die politisch Verantwortlichen auch strukturelle und organisatorische Fragen aufarbeiten“, sagte der Landesvorsitzende Dietmar Schilff. „Es ist zu einfach, gleich persönliche Verantwortlichkeiten in den Raum zu stellen und zu meinen, dass durch die Einleitung von Disziplinarverfahren alles geregelt sei.“ Zurzeit untersuchen interne Ermittler der Polizei Osnabrück, wie es zu der Pannenserie im Vorfeld des Verbrechens kommen konnte. Gegen vier Beamte wird disziplinarrechtlich ermittelt, gegen zwei von ihnen auch strafrechtlich. Der Verdacht: Strafvereitelung im Amt.

Die Familie des Mädchens und die Öffentlichkeit brauche jetzt Klarheit darüber, was zu der Ermordung der Elfjährigen im Emder Parkhaus am 24. März geführt hat, sagte Schilff. Nach zahlreichen Telefonaten mit Kollegen in Ostfriesland wollen der GdP-Landesvorsitzende und der Vorsitzende der Osnabrücker Bezirksgruppe, Klaus Dierker, am kommenden Dienstag dort persönlich Gespräche mit Polizeibeschäftigten und Dienststellenleitungen führen.

Unterdessen teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit, dass die Suche nach der möglichen Tatwaffe bisher erfolglos geblieben sei. „Nun fokussiert sich die Ermittlungsarbeit auf das Umfeld des 18-jährigen Tatverdächtigen“, sagte die Sprecherin der Polizeiinspektion Emden, Angelika Grüter. Die Beamten würden Zusammenhänge zu weiteren Taten überprüfen und klären, ob der junge Mann für Straftaten, die den Ermittlern noch nicht bekannt sind, in Frage kommt.

Zwei Emder nahmen nach Grüters Angaben die ausführliche Berichterstattung zu dem Mordfall mit sexuellem Hintergrund zum Anlass, sich unabhängig vom Fall Lena bei der Polizei zu melden. Vor einigen Tagen erschienen die mittlerweile erwachsenen Opfer bei der Polizei und zeigten Sexualstraftaten an. Diese Taten seien bereits im Kindesalter an ihnen verübt worden. In beiden Fällen habe die Polizei gesonderte Verfahren eingeleitet, sagte die Sprecherin.

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