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Der Norden Pfleger könnte 100 Menschen getötet haben
Nachrichten Der Norden Pfleger könnte 100 Menschen getötet haben
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09:17 06.11.2014
Die Staatsanwaltschaft überprüft nun 100 weitere Todesfälle im Mordprozess gegen einen Krankenpfleger.
Die Staatsanwaltschaft überprüft nun 100 weitere Todesfälle im Mordprozess gegen einen Krankenpfleger. Quelle: Symbolbild
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Oldenburg

Weil es während der Beweisaufnahme wiederholt Hinweise auf weitere mögliche Verbrechen des Angeklagten gegeben habe, würden nun "systematisch" alle Todesfälle untersucht, die mit dessen früherer Tätigkeit auf der Intensivstation einer Klinik in Delmenhorst Verbindung stehen könnten, erklärte ein Sprecher der zuständigen Ermittlungs- und Anklagebehörde am Mittwoch in Oldenburg. "Es geht um eine Anzahl von über 100."

Konkret geht es den Angaben zufolge um alle Fälle, die sich während und unmittelbar nach den Dienstzeiten des Angeklagten auf der Intensivstation ereignet hatten und bei denen die Toten seinerzeit nicht verbrannt, sondern beerdigt wurden und damit bis heute erhalten blieben. Ein Sachverständiger werde für sämtliche betreffende Fälle Gutachten zur Plausibilität der Todesursache anfertigen, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. In Verdachtsfällen würden dann Leichname exhumiert und obduziert, um das von dem Angeklagten für seine mutmaßlichen Taten verwendete Medikament Ajmalin nachzuweisen. Ausgenommen seien nur jene Patienten, die regulär mit dem Wirkstoff behandelt wurden. In diesem Fall wäre dem Angeklagten ein Mord nicht zu beweisen.

Der Mann war von 2003 bis 2005 in der Delmenhorster Klinik beschäftigt. Gegen ihn wird schon seit Jahren wegen Mordes und Mordversuchs ermittelt. Schon 2008 wurde er wegen eines Mordversuchs verurteilt und sitzt seitdem in Haft. Die Staatsanwaltschaft ermittelte aber weiter und klagte Anfang dieses Jahres fünf weitere mutmaßliche Morde an. Der Prozess dazu läuft seit September.

Der Anklage zufolge soll der Pfleger den Patienten ein Medikament gespritzt haben, das Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall und Kammerflimmern auslöst. Als Motiv nimmt die Staatsanwaltschaft an, er habe medizinische Notfälle herbeiführen und dann seine Fähigkeiten zur Wiederbelebung unter Beweis stellen wollen. Außerdem soll der Mann auch aus "Langeweile" gehandelt haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden seit Januar diesen Jahres bereits in drei möglichen Verdachtsfällen Leichname exhumiert und gerichtsmedizinisch untersucht. Dabei fanden die Ermittler keine Spuren des Medikaments.

afp

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