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Der Norden „Rockerkönig von Walsrode" angeklagt
Nachrichten Der Norden „Rockerkönig von Walsrode" angeklagt
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20:44 15.05.2012
Von Heinrich Thies
Angeklagt: Wolfgang Heer. Quelle: Christian Burkert
Walsrode

Der Walsroder Bordellbetreiber Wolfgang Heer muss sich voraussichtlich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Verden hat gegen den 67 Jahre alten Rotlichtfürsten und Rockerchef sowie zwei weitere Beschuldigte Anklage wegen „ausbeuterischer und dirigistischer Prostitution“ erhoben. Insgesamt 57 Prostituierte werden in der 16-seitigen Anklageschrift als Geschädigte aufgeführt. Sie waren in Bordellen in Walsrode, Verden/Aller, Buxtehude, Soltau und Harburg sowie in sogenannten Lovemobilen tätig.

„Die Frauen mussten mindestens 50 Prozent ihrer Einnahmen abführen und darüber hinaus etliche Strafgelder zahlen“, sagt Lutz Gaebel, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Verden. Für alle möglichen Regelverstöße wurden die Prostituierten laut Anklage zur Kasse gebeten - ob sie zu spät kamen, nicht die vorgeschriebene Kleidung trugen oder die Hausordnung verletzten. Zudem mussten sie häufig ihre Getränke selbst bezahlen. Auch die Miete für das „Lovemobil“ ging vom Lohn ab. Die Frauen stammen vorwiegend aus Osteuropa und sprechen kaum oder gar nicht Deutsch.

Glaubt man der Anklageschrift hielten Heer und seine Geschäftspartner die Frauen wie Sexsklaven. „Sie wurden überwacht und bevormundet“, sagt Gaebel. „Die Frauen konnten nicht selbst bestimmen, wann sie arbeiteten. Sie hatten keinen Einfluss auf die Preisgestaltung und ihre Einsatzorte.“ Oft hätten Frauen tagsüber in einem Lovemobil und nachts im Bordell arbeiten müssen.

Die Anklage stützt sich auf eine Großrazzia, bei der im August 2011 sieben Bordelle sowie Privatwohnungen, Geschäftsräume und Lovemobile durchsucht wurden. Die Ermittungen wegen Menschenhandels und Insolvenzverschleppung wurden eingestellt. „Das reicht auch so“, sagt Gaebel. Ausbeuterische Prostitution werde mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft.

Heer betreibt gemeinsam mit dem hannoverschen Kiezkönig Frank Hanebuth eine Sicherheitsfirma und ist bei den Hells Angels aktiv. Er bestreitet die Vorwürfe. „Ich weiß gar nicht, was die wollen“, sagt Heer. „Die Mädels haben alle ein selbständiges Gewerbe. Die freuen sich schon darauf auszusagen.“ Bis auf zwei Prostituierte seien noch sämtliche Geschädigte bei ihm tätig. „Wir sehen dem Gerichtstermin gelassen entgegen“, sagt Herr. „Da gehen wir alle zusammen hin.“ Aus Sicht des Rockers ist nur Anklage erhoben worden, um das „Theater“ der Razzia zu rechtfertigen. „Eigentlich hätten sie alles längst einstellen müssen. Ein großer Lacher!“

Nach den Worten Heers laufen weiterhin Ermittlungen gegen ihn wegen eines im April 2011 abgebrannten Wirtshauses in Hassendorf (Kreis Rotenburg/Wümme). Heer hatte das Gebäude erst kurz zuvor erworben. Die Fahnder vermuten Brandstiftung und Betrug. Es fällt auf, dass bereits in der Vergangenheit etliche Häuser Heers in Flammen aufgingen. Ende 2011 hatte der Rat der Stadt Walsrode nach langer Diskussion an Vereine und Unternehmer appelliert, keine Geschäfte mehr mit dem Schatzmeister der Hells Angels zu machen.

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