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Der Norden Schnabel ab – es geht auch anders
Nachrichten Der Norden Schnabel ab – es geht auch anders
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21:56 08.07.2013
Von Klaus Wallbaum
Derzeit werden bei nahezu 100 Prozent der Legehennen in konventioneller Boden- und Freilandhaltung die Schnäbel gekürzt, damit sie sich nicht gegenseitig verletzen. Quelle: dpa
Hannover

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) will mit neuen Argumenten gegen das Kürzen von Schnäbeln bei Legehennen vorgehen: Bei einem Besuch im Nachbarland Österreich hat er erfahren, dass die Tiere bei veränderter Haltung weitaus weniger aggressiv sind – und das für die Hühner schmerzhafte Kürzen der Schnäbel daher vermieden werden kann. „Was in Österreich möglich ist, muss bei uns auch machbar sein“, betonte der Minister.

In Niedersachsen werden etwa 11 Millionen Legehennen gehalten. Damit sich die Tiere nicht gegenseitig picken und verletzen, werden ihnen oft die Schnäbel mit einem heißen Messer und Infrarotbestrahlung gekürzt. Schon die alte schwarz-gelbe Regierung hatte dieses Verfahren aus Tierschutzgründen abgelehnt und festgelegt, dass die niedersächsische Geflügelwirtschaft bis Ende 2016 auf diese Methode verzichten soll. Meyer sagte jetzt: „Wir halten an diesem Plan fest.“ Eine Übereinstimmung zwischen Bauern, Handel, Tierschutz und Wissenschaftlern werde angestrebt. Und der Handel habe seine Bereitschaft auch signalisiert.

Bei einem Besuch in Österreich wurde dem Minister gezeigt, dass die Legehennen auch ohne gekürzte Schnäbel friedlich bleiben. Das bestätigten auch Bio-Landwirt Carsten Bauck und der Osnabrücker Professor Robby Andersson, die Meyer begleitet hatten. Die Hennen haben nicht mehr Platz als in Niedersachsen, aber sie leben in den teilweise sehr großen Ställen unter anderen Bedingungen. So gibt es in Österreich die Möglichkeit, die Ställe abzudunkeln – die Leuchten können gedimmt werden. Gedämpftes Licht vermindert die Aggression. Außerdem bekommen die Tiere Futter mit zusätzlichen Ballaststoffen. Sie müssen mehr Nahrung aufnehmen und sind beschäftigt. „Ein Huhn, das frisst, stört die Artgenossen weniger“, sagt Andersson. Außerdem werden schwere und leichte Hühner nicht zusammen in einem Stall untergebracht, auch das verringert die Gefahr gegenseitiger Belästigungen.

Meyer will sich noch in drei weiteren Punkten an Österreich orientieren. Es solle erstens einen Entschädigungsfonds für Hennenhalter geben – der springt ein, falls es irgendwo bei Verzicht auf Schnabelkürzen doch zum Kannibalismus unter den Hühnern kommt. Zweitens sollen Wissenschaftler den Prozess begleiten und auswerten, drittens ist eine Kennzeichnung der artgerechten Haltung auf den Eierverpackungen geplant, ein sogenanntes „Tierschutzsiegel“. Öko-Landwirt Carsten Bauck sagt: „Wenn die Verbraucher bereit sind, ein wenig mehr Geld zu bezahlen, können wir viel Leid vermeiden.“

Tatsächlich führt das österreichische Modell dort zu Mehrkosten von bis zu vier Cent je Ei. Minister Meyer betont, dass die neuen Standards dort nicht zu Umsatzeinbußen geführt hätten – das Gegenteil sei der Fall: „Die Zahl der Legehennen in Österreich ist seit Einführung des neuen Systems sogar noch gesteigert worden.“

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