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Der Norden Zivilcourage kostet Taxifahrer den Job
Nachrichten Der Norden Zivilcourage kostet Taxifahrer den Job
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20:17 14.12.2014
Von Michael B. Berger
Seine Zivilcourage hat einem Taxifahrer den Job gekostet. Quelle: dpa/Symbolbild
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Oldenburg

Durch sein beherztes Eingreifen auf dem Parkplatz eines Oldenburger Flüchtlingsheims habe Coruh vermutlich verhindert, dass ein Mann totgeprügelt wurde, bestätigt auch die Oldenburger Polizei. Zwei Stunden Arbeitsausfall waren seinem Chef indes zu viel, er feuerte den jungen Mann. „Das erscheint doch widersinnig, dass man für seine Zivilcourage auch noch bestraft wird“, sagte Josef Germer von der Polizeiinspektion Oldenburg am Sonntag.

Die blutige Auseinandersetzung ereignete sich bereits vor zehn Tagen im Oldenburger Stadtteil Ofenerdiek. Coruh setzte nach eigenem Bekunden gerade eine Stammkundin vor einem Seniorenheim ab, als er eine Auseinandersetzung auf dem Parkplatz vor der Flüchtlingsunterkunft beobachtete. Zwei Marokkaner stritten sich mit einem weiteren Afrikaner. Einer der Marokkaner habe heftig zugeschlagen, der Schwarzafrikaner sei zu Boden gegangen. „Doch der Mann hat immer wieder auf den am Boden liegenden eingetreten.“ Er habe „Fucking nigger“ geschrien und sogar mit einer Colaflasche auf ihn eingeschlagen.

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Coruh kümmerte sich um den Verletzten

„Ich habe versucht, ihn davon abzuhalten, ihn sogar auf Türkisch angesprochen“, berichtet Coruh. Dann habe der Marokkaner von seinem Opfer abgelassen und sei „seelenruhig“ davongegangen, während das am Boden liegende Opfer keine Reaktion mehr zeigte. Coruh kümmerte sich um den Schwerverletzten, rief über Notruf die Polizei, beschrieb den Beamten, wohin der Aggressor gelaufen sei. „Das hat einen Tacken gedauert, ich habe aber immer wieder die Taxizentrale angerufen.“ Aus dieser habe er bereits wüste Flüche gehört, er solle sich um seinen Job kümmern und „nicht den Supermann spielen“. Er müsse Taxi fahren und nicht die Arbeit der Polizei besorgen.

Die sieht das völlig anders. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln jetzt wegen versuchten Totschlags gegen einen der Marokkaner. Die Beamten waren für den Einsatz des 25-jährigen Coruh dankbar, der ein arbeitsloser Einzelhandelskaufmann ist und als Aushilfsfahrer bei dem Taxiunternehmen gearbeitet hat. Der Chef, der Coruh nach dem beherzten Eingreifen vor die Tür setzte, meldete sich am Sonntag, als die „Nordwestzeitung“ über den Vorfall berichtete. Die Kündigung nahm er indes nicht zurück. „Da will ich aber auch nicht mehr hin“, sagt Coruh.

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