Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Skandal um Organspenden weitet sich aus
Nachrichten Der Norden Skandal um Organspenden weitet sich aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:29 26.07.2012
Der Organspendeskandal an der Uniklinik in Göttingen weitet sich aus. Ein weiterer Arzt sei vom Dienst freigestellt worden, teilte die Universitätsmedizin Göttingen am Donnerstag mit. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten zuvor die Büroräume am Uni-Klinikum und das Privathaus des leitenden Arztes durchsucht und Festplatten sowie andere Datenträger sichergestellt. Sie werden zurzeit ausgewertet. Dem Mediziner und einem inzwischen entlassenen 45-jährigen Oberarzt, der früher die Transplantationschirugie der Klinik geleitet hatte, wird Manipulation von Patientendaten vorgeworfen.

Die neuen Erkenntnisse der Braunschweiger Spezialermittler für Korruptionsstrafsachen haben zudem jetzt auch die Staatsanwaltschaft Göttingen auf den Plan gerufen: Gegen beide Mediziner wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Ausgelöst worden war der Verdacht gegen den zweiten Beschuldigten durch interne Ermittlungen der Klinik gegen den 45-jährigen Transplantationsmediziner.

Anzeige

Der erste Verdächtige war vor seiner Tätigkeit in Göttingen in Regensburg tätig. Dort soll er schon 2005 Patienten aus Jordanien verbotenerweise Spenderorgane verschafft haben. Dem Vernehmen nach soll der 45-Jährige zwischen 1999 und 2001 auch an der Medizinischen Hochschule Hannover gearbeitet haben.

Hinweise auf weitere Verdächtige gebe es bisher nicht, sagte ein Kliniksprecher in Göttingen. Beim Landessozialministeriums hieß es, selbst ein lückenloses Kontrollsystem schütze nicht vor der kriminellen Energie Einzelner.

Der jetzt neu verdächtigte 60-jährige Medizinprofessor ist seit 20 Jahren am Göttinger Uni-Klinikum tätig. Seit Oktober 1992 leitet er die Abteilung Gastroenterologie und Endokrinologie. Er sei mit Voruntersuchungen der Patienten zur Organtransplantation befasst gewesen, sagte am Donnerstag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Andreas Buick. Damit habe er Einfluss auf den sogenannten Meld-Score der Stiftung Eurotransplant gehabt. Diese verteilt nach einem Kriterienkatalog Spenderorgane an Patienten in den acht Mitgliedsländern.

Die Göttinger Ermittler prüfen, ob die beschuldigten Ärzte durch die Manipulation von Patientendaten für einen unberechtigten hohen Meld-Score gesorgt haben. Dadurch könnten andere Patienten gestorben sein, weil sie nicht rechtzeitig eine Spenderleber erhielten.

Eine Kommission der Bundesärztekammer hatte alle Göttinger Lebertransplantationen in den Jahren 2010 und 2011 untersucht. Dabei ergab sich in 23 Fällen der Verdacht, dass medizinische Daten manipuliert wurden.

Jürgen Gückel und Heidi Niemann

Mehr zum Thema

Wenn Betrügereien auffliegen, gibt es immer einige, die nicht überrascht sind. Es sind jene, die bereits frühzeitig warnten, dass Trickser leichtes Spiel haben. Es sind keine Besserwisser, sondern Experten wie der Medizinrechtler Thomas Gutmann, der im Frühjahr bei einer Bundestagsanhörung über das neue Transplantationsgesetz kritisierte, dass die Regeln für die Verteilung von Spenderorganen in Deutschland faktisch geheim sind. Zumindest unzugänglich für Patienten und Bundestagsabgeordnete. Intransparenz verführt.

Gabi Stief 23.07.2012

Wurde ein gefragter Transplanteur geschmiert, um Todkranken zu einem neuen Leben zu verhelfen? Entwickelten sich Organverpflanzungen an der Uni-Klinik Göttingen zum lukrativen Geschäft?

22.07.2012
Der Norden Nach Skandal in Göttinger Uniklinik - Strengere Kontrollen bei Spenderorganen gefordert

Der mögliche Organspendeskandal an der Göttinger Uniklinik erschüttert Mediziner und Politiker. Forderungen nach besserer Kontrolle werden laut. Die Arbeit der Ermittler könnte Monate dauern.

21.07.2012
Karl Doeleke 26.07.2012
Michael B. Berger 29.07.2012