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Der Norden So leben Flüchtlinge auf Borkum
Nachrichten Der Norden So leben Flüchtlinge auf Borkum
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19:10 23.10.2015
Von Stefan Knopf
„In der Notsituation wächst der Zusammenhalt“: Die syrische Familie Haj Istafi vor dem Borkumer Hafen – Hausleiterin Petra Bötcher und Hotelier Fokke Schmidt (kl. Bilder) helfen, so gut es geht.Fotos: dpa (3) Quelle: Hans-Christian Wöste
Borkum

Trotz oder gerade wegen seiner Randlage hat Borkum besonderen Charme. 280.000 Urlauber kommen jährlich auf die Nordsee-Insel in Niedersachsen. Vom Tourismus leben rund 5200 Einwohner, und nach der Hauptsaison im Sommer und den Herbstferien ist jetzt eigentlich Flaute im Urlaubsgeschäft. Doch jetzt sind völlig andere Gäste angereist. Erstmals sind Flüchtlinge auf Borkum einquartiert, obwohl der Wohnraum hier wie auf den anderen ostfriesischen Inseln knapp ist.

Als Unterkunft bot sich Deutschlands größte Jugendherberge „Am Wattenmeer“ mit 600 Bettenplätzen an. Seit einer Woche leben 250 Flüchtlinge dort - eine Notlösung, nachdem das Land Niedersachsen mit einem Hilferuf Städte und Landkreise zur Hilfe verdonnert hatte. „Aber auch ein Glücksfall für die Flüchtlinge“, sagt Hausleiterin Petra Bötcher.

Denn statt Massenschlafplätzen in Turnhallen gibt es hier viele Mehrbettzimmer für Familien mit Kindern. Sie haben teilweise zehn bis 28 Tage Flucht hinter sich, eine Odyssee von Syrien über die Türkei, per Boot nach Griechenland und auf dem Landweg weiter über Serbien, Ungarn, Österreich nach Bayern und schließlichen Niedersachsen.

„In Syrien hatten die Kinder draußen Angst vor Scharfschützen und Bomben, jetzt haben sie hier eigene Spielzimmer“, übersetzt Dolmetscher Edlib. Er ist schon vor Jahren aus Syrien geflohen und hat sich freiwillig als Übersetzer gemeldet. Eine Kollegin von ihm musste nach ein paar Tagen aufgeben: Bei der Frau waren traumatische Erinnerungen an ihre eigene Fluchtgeschichte wieder aufgebrochen.

Draußen auf dem weitläufigen Gelände der ehemaligen Marinekaserne spielen Flüchtlingskinder aus Syrien und Afghanistan Fußball. „Unsere Kinder aus dem Dorf spielen mit, Kontakte werden zu Freundschaften“, sagt Fokke Schmidt von der Borkumer Flüchtlingshilfe. Die Initiative sammelt mit rund 60 Unterstützern aus dem Dorf und vom Festland Kleidung, Spielzeug und Sachspenden, organisiert Fahrdienste für Helfer - und widerlegt böse Gerüchte. „Angeblich sollen Urlauber wegen der Flüchtlinge abgereist sein - alles erfunden“, schimpft Schmidt.

Seine Hotelgäste spenden Geld für die Flüchtlingshilfe, auch Urlauber in der Jugendherberge sind geblieben und nehmen Anteil am Schicksal der Flüchtlinge im Nachbarhaus. „Das alles wird dem Tourismus hier nicht schaden - im Gegenteil“, ist der Hotelier überzeugt: „In dieser Notsituation wächst der Zusammenhalt.“ Sogar miteinander zerstrittene Insulaner packten plötzlich wieder gemeinsam an. Allen populistischen Sprücheklopfern gibt er den Rat: „Lasst uns einfach unsere Arbeit machen.“

Alles andere als Routine ist auch die Arbeit von Chefarzt Stefan Karl Förg vom Inselkrankenhaus. Mit Mechthild Schäpker vom Gesundheitsamt Leer und anderen organisiert er die Untersuchungen und Behandlungen der Flüchtlinge. Die Mediziner sehen zerschundene Füße, Narben von Granatsplittern und Durchschüssen, die seelischen Wunden können sie nur erahnen. „Ein Mann war ausgepeitscht worden und hatte einen blutigen Rücken. Viele Flüchtlinge zeigen uns Handyfotos ihrer Angehörigen, aber auch mit Kriegstrümmern und Leichen.“

Das Ehepaar Mohammed und Jeda hat mit seinen vier Kindern die Flucht aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo ins „Wunschland Germany“ geschafft und fühlt sich „sehr glücklich“. Aber es bleibt die große Ungewissheit: Wie geht es weiter nach der Erstaufnahme auf Borkum, wo finden sie dauerhaft ein neues Zuhause? „Die Menschen müssen jetzt erst mal zur Ruhe kommen, zurück zum Alltag“, sagt Herbergsleiterin Bötcher, „aber dann sollten sie schnell eine Perspektive bekommen.“

Von Hans-Christian Wöste

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