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Der Norden Spannungsarmes TV-Duell in Kiel
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10:47 03.05.2012
Foto: Jost de Jager (rechts) und Torsten Albig (links) duellieren sich unter Anleitung von Moderator Andreas Cichowicz.
Jost de Jager (rechts) und Torsten Albig (links) duellieren sich unter Anleitung von Moderator Andreas Cichowicz. Quelle: dpa
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Kiel

Vier Tage vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein haben sich die Spitzenkandidaten von CDU und SPD ihr mit Spannung erwartetes Fernsehduell geliefert. Der verbale Schlagabtausch zwischen CDU-Bewerber Jost de Jager und SPD-Konkurrent Torsten Albig blieb am Mittwochabend im NDR-Fernsehen moderat im Ton. In der Haushalts- und Bildungspolitik sowie im Hinblick auf eine mögliche „Dänen-Ampel“ aus SPD, Grünen und SSW (Südschleswigscher Wählerverband) offenbarten sich aber klare Differenzen. Mit einem freundlichen Händedruck hatten sich die Kontrahenten unmittelbar vor dem TV-Duell begrüßt.

Der bisherige Kieler Oberbürgermeister Albig sagte, der Wahlkampf sei gut und sachlich gelaufen, bis die CDU den Eindruck erweckt habe, der mögliche SPD-Koalitionspartner SSW könnte eine Partei minderer Qualität sein. De Jager widersprach, betonte aber, eine „Dänen-Ampel“ wäre kein stabiles Bündnis für Schleswig-Holstein, sondern stünde für mehr Schulden sowie eine Politik gegen Gymnasien. Albig bekannte sich zum Ziel, solch ein Bündnis zu bilden, für das es aber knapp werden dürfte. Er wolle Rot-Grün plus SSW zu einer stabilen Mehrheit bringen. Im Übrigen zeige Schwarz-Gelb, dass man auch mit einer Mehrheit von einer Stimme ganz solide agieren könne.

„Mir graut vor gar keiner demokratischen Lösung“, sagte Albig auf die Frage nach einer möglichen großen Koalition. De Jager wich der Frage aus, ob eine große Koalition die einzige realistische Machtoption für die CDU sei. Sie will erreichen, dass ohne sie keine Regierung gebildet werden kann. Möglich wären Koalitionen mit der SPD oder mit den Grünen und dem bisherigen Regierungspartner FDP („Jamaika“). Die FDP hat nach den Umfragen wieder gute Chancen, im Landtag zu bleiben. Die Piratenpartei kann hoffen, mit einem guten Ergebnis erstmals ins Parlament zu kommen.

Albig: Keine Tabus beim Sparen

„Es gibt keine Tabubereiche“, sagte Albig zum Thema Sparen. De Jager hielt ihm vor, er sei nur konkret, wenn es ums Geldausgeben gehe, sage aber nicht konkret, wo gespart werden solle, und flüchte sich ins Wolkige. Die SPD plane zusätzliche Ausgaben von 300 Millionen Euro. Albig konterte, Politik müsse mit Gestaltungswillen und Gestaltungskraft gemacht werden und nicht mit der Attitüde eines Mathematikers. In dem einstündigen TV-Duell blieben verletzende Attacken aus. Wenn de Jager etwas forscher angriff, reagierte Albig betont ruhig. FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki meinte: „Das Interessante sind die Film-Einspielungen.“

Albig und de Jager wollen mit ihren Parteien stärkste Kraft werden. Nach den Umfragen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Bei den Persönlichkeitswerten lag Albig bisher deutlich vor de Jager.

Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck meinte in einer TV-Talkrunde der kleinen Landtagsparteien zu einem möglichen Bündnis mit CDU und FDP: „Ich kenne niemanden in Schleswig-Holstein, der Jamaika will, mich eingeschlossen.“ Für Kubicki ist „Jamaika“ die wahrscheinlichste Koalition. Es gebe zu den Grünen so viele Kompromisslinien, dass er sich gemeinsames Regieren vorstellen könne. Anke Spoorendonk vom SSW bekräftigte, dass ihre Partei in einer möglichen „Dänen-Ampel“ mit SPD und Grünen ein Ministerium führen möchte: „Der SSW wird auch ein Ressort anstreben.“

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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