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Der Norden Stalkerin muss in die Psychiatrie
Nachrichten Der Norden Stalkerin muss in die Psychiatrie
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18:02 13.04.2012
Eine 41-jährige Stalkerin aus dem Kreis Gifhorn muss in die Psychiatrie. Quelle: Kris Finn (Symbolbild)
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Hildesheim

Jahrelang verfolgte und tyrannisierte sie ihren Exmann - nun muss eine 41-jährige Stalkerin aus dem Kreis Gifhorn in die Psychiatrie. Das hat am Freitag das Landgericht Hildesheim entschieden. Die Frau muss solange in der Klinik bleiben, bis Gutachter ihr bescheinigen, dass von ihr keine Gefahr mehr ausgeht. „Der Angeklagten ging es nicht mehr nur um Kontrolle, sondern um Zerstörung“, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Brönstrup in ihrer Urteilsbegründung. Die 41-Jährige leide unter einer schweren Persönlichkeitsstörung und sei eine „versteckte Zeitbombe“.

Die Staatsanwaltschaft hatte der Frau annähernd 50 Straftaten vorgeworfen. Die 41-Jährige hatte ihren 36 Jahre alten Exmann seit dem Scheitern der Ehe im Jahr 2009 unter anderem überfallen und mit einem Knüppel verletzt. Zudem hatte sie eine versteckte Kamera vor dem Haus ihres Opfers in Calberlah installiert, um den Mann auszuspionieren. Außerdem war sie mit dem Auto mehrfach auf ihn zugefahren, hatte Steine auf seinen Wagen geworfen und Briefe und Urkunden gestohlen.

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Die Frau bestritt die meisten Taten. Sie beschuldigte ihren Exmann, er habe ihr die Briefe untergeschoben und sie bedroht. Ein Gutachter bescheinigte der 41-Jährigen eine schwere narzisstische Fehlentwicklung. Der Experte bezeichnete sie als „brandgefährlich“.

Staatsanwältin Gabriele Stephan erklärte, die Gesamtheit der Taten bedeute eine Energieleistung, die ein Mensch normalerweise gar nicht aufbringen könne. „Geradezu schockierend war der Auftritt des Vaters der Angeklagten“, sagte die Richterin. Der gewalttätige Mann hatte seine Tochter blutig geprügelt und das vor Gericht auch so geschildert. Wenn sich jemand der Angeklagten entziehen wollte, wurde sie zerstörerisch - gemäß dem Muster des Vaters, sagte die Richterin. Die Kammer folgte mit ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der Rechtsanwalt des Opfers, Matthias Doehring, zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung des Landgerichts. „Männer, die gestalkt werden, haben immer ein Glaubwürdigkeitsproblem.“ So sei auch seinem Mandanten zunächst nicht geglaubt worden. Die ersten Anzeigen seien von der Polizei allesamt eingestellt worden. „Für ihn war es daher wichtig, als Opfer anerkannt zu werden.“ Der 36-Jährige will nach Angaben seines Anwalts nun Schadensersatz und Schmerzensgeld für die psychischen Folgen der Taten einklagen.

Nach Angaben des Justizministeriums kommt es in Niedersachsen jährlich zu etwa 2500 Anzeigen wegen Nachstellens, wie das Stalking offiziell heißt - aber nur zu rund 100 Verurteilungen. Das liegt laut Ministerium daran, dass die Täter oft wegen schwererer Delikte verurteilt werden, hinter denen das Stalking zurücksteht. Das beharrliche Belästigen eines anderen Menschen ist überhaupt erst seit 2007 strafbar. Bis dahin waren Polizei und Staatsanwaltschaft oft die Hände gebunden, insbesondere wenn sich das Nachstellen nicht in konkreten Straftaten äußerte. „Es war richtig, den Tatbestand damals ins Strafgesetzbuch aufzunehmen“, sagte Justizminister Bernd Busemann (CDU) am Freitag als Reaktion auf die Entscheidung aus Hildesheim.

Martina Steffen und Karl Doeleke

Gabriele Schulte 13.04.2012
Klaus Wallbaum 16.04.2012
13.04.2012