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Der Norden Darf Piech Ehrenbürger werden?
Nachrichten Der Norden Darf Piech Ehrenbürger werden?
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00:15 29.08.2013
Von Klaus Wallbaum
Ehrwürdig?: Ferdinand Piëch
Ehrwürdig?: Ferdinand Piëch Quelle: Christian Charisius
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Braunschweig

36 Namen stehen auf der Liste, die einen bekannter, die anderen weniger. Der einstige Reichskanzler Otto von Bismarck gehört dazu, der Mathematiker Carl Friedrich Gauß und der Schriftsteller Wilhelm Raabe. Seit 2008 ist auch der ehemalige Ministerpräsident Gerhard Glogowski in dieser Gesellschaft. Sie alle sind oder waren Braunschweiger Ehrenbürger, und bei den meisten von ihnen gab es bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde keinen Streit. Das ist jetzt anders.

Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) hat den Vorschlag des Braunschweiger VW-Betriebsratschefs Uwe Fritsch aufgegriffen und dem mächtigen Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch die Ehrenbürgerschaft angetragen. Heute stimmt der Rat darüber ab - und lediglich CDU, SPD und FDP dürften geschlossen dafür stimmen. Mehrere kleine Gruppen wollen sich enthalten, und die neun Ratsmitglieder der Grünen votieren sogar mit Nein. Was haben sie gegen den Patriarchen als neuen Ehrenbürger? Ist es die immer wieder vom politischen Gegner unterstellte „Wirtschaftsfeindlichkeit“ der Grünen?

„Nein“, sagt Holger Herlitschke, Fraktionschef der Grünen im Braunschweiger Rat. Eigentlich sei seine Fraktion nur dagegen, weil klare Kriterien für eine Ehrenbürgerwürde fehlten. „Warum zeichnen wir nicht jene aus, die über Jahre im Stillen ehrenamtlich gewirkt haben?“, fragt er. Bei Piëch würden viele Verdienste erwähnt - „aber wir wissen doch gar nicht, ob er persönlich für dieses Wirken steht oder ob nicht andere Kräfte im Großkonzern ausschlaggebend dafür waren“, meint der Grüne. Dabei hat das Rathaus eine stattliche Aufzählung an Gründen vorgelegt. Piëch hat zwischen 1993 und 2002, als er Vorstandschef von VW war, mit seiner Familie in Braunschweig gelebt (und nicht im nahen Wolfsburg, dem Sitz des Konzerns!). Das sei eine große Ehre gewesen. Er sei als Kultursponsor aufgetreten, habe sich an der Gründung der Stiftung für Sport und Kultur beteiligt und sei eine „national wie international anerkannte Unternehmer- und Managerpersönlichkeit“. Piëch habe in den neunziger Jahren „eine ernsthaft drohende VW-Standortschließung abgewendet“. Es gab die Viertagewoche mit Lohnverzicht, Arbeitsplätze blieben erhalten und die hiesigen Werke auch. In Braunschweig wurde die VW-Financial Services AG aufgebaut, ein Standbein des Konzerns, das sich bis heute positiv auf die Stadtfinanzen auswirkt.

Dies stellt der Grüne Herlitschke nicht in Abrede, wie er sagt. Aber ihm komme der Verdacht, bei der Ehrenbürgerschaft gehe es jetzt gar nicht um die Person. Sie sei doch vermutlich nur ein politischer Schachzug zur Standortsicherung von Volkswagen in der Stadt. Am liebsten wollten CDU und SPD im Rat gar nicht über die Ehrenbürger-Frage diskutieren - und das lasse ihn noch stutziger werden. OB Hoffmann hingegen versteht die Aufregung um seinen Vorschlag nicht. Er bedauert die Absage der Grünen. Er meint, es wäre doch viel schöner gewesen, wenn man die Ehrung im Rat einstimmig hätte beschließen können.

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