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Der Norden „T-I-T-T-E-N“ auf der Straße
Nachrichten Der Norden „T-I-T-T-E-N“ auf der Straße
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00:15 28.09.2013
Bauamtsmitarbeiter schreiben mit Rollsplitt Obszönitäten auf die B  72 bei Aurich. Quelle: Ortgies
Aurich

Montag, halb zehn in Deutschland. Die Menschen reden über die Bundestagswahl. Merkel, Steinbrück, Rösler. Erdbeben, Rücktritte, Koalitionen. Doch in einem kleinen Landstrich im flachen Norden, da war das den Menschen herzlich egal. „In Aurich war die Wahl am Montag kein Thema“, sagt Frank Buchholz. Nun ist Frank Buchholz kein politischer Beobachter, sondern Leiter des Straßenbauamts in Aurich. Er kümmert sich um das Grün an den Straßen, um Schlaglöcher, Fahrbahnmarkierungen, Poller, Leitplanken und Streusalz. Doch seit Montag kümmert sich Buchholz fast nur noch um die obszönen Wörter „Titten“ und „Fuck“. Rein Beruflich.

Diese zwei Wörter wurden am Wochenende auf der Bundesstraße 72 entdeckt. Nicht mit Farbe aufgetragen, sondern als Ornament aus Rollsplittflicken. Die Buchstabenfolgen T-I-T-T-E-N und F-U-C-K waren zwischen Siegelsum und Marienhafe übereinander angeordnet, etwa so, wie man es von manchen Straßenmalereien bei der Tour de France kennt. Zwei Wochen lang waren die Asphaltflecken niemandem aufgefallen.

Frank Buchholz würde gerne von einem Dummenjungenstreich sprechen, sagt er. Oder von einem Ostfriesenwitz, so flach wie eine Bundesstraße. Doch so einfach ist das nicht. Denn es waren zwei seiner Mitarbeiter, die die Bundesstraße 72 geflickt hatten. Vor etwa zwei Wochen waren die beiden mit einer gemieteten Ausbesserungsmaschine ausgerückt. Einige Stellen waren zu flicken. Warum dann passierte, was passierte, das kann Buchholz noch nicht genau sagen. Lachen kann er zumindest nicht darüber. Ob es Konsequenzen für die Mitarbeiter geben wird, dazu kann der Behördenleiter noch nichts sagen. „Unser guter Ruf hat gelitten“, sagt er.

Die Form der Flicken sei gar nicht ungewöhnlich, sagt Buchholz. Solche Stellen würden meist mit unterschiedlich großen Rechtecken abgedeckt. Das könne dann auch schon mal wie ein T aussehen. „Nur ein N, mit dem Querstrich, das ist ungewöhnlich“, sagt Buchholz.
Ein paar Anwohner fanden die Schriftzüge lustig. Auch der Bürgermeister der zuständigen Gemeinde Brookmerland, Gerhard Ihmels, blickte entspannt auf die Buchstaben. Das sei „kein Aufreger“. Doch allein wegen der Verkehrssicherheit dürfen die Buchstaben nicht stehen bleiben. Viele Autofahrer seien besonders langsam gefahren, um Fotos des Straßenbelags zu machen. Deswegen hat die Behörde die Stellen schon am Montag mit Rollsplit überdecken lassen.

Wegen der Rollsplitt-Graffiti will das Amt nun seine Mitarbeiter sensibilisieren. Bislang gab es keine Regelung, die Schriftarten auf Straßen verboten. „Das lag außerhalb meiner Vorstellungskraft“, sagt Buchholz.

Von Gerd Schild

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