Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Tiere und Pflanzen ertrinken in Regenflut
Nachrichten Der Norden Tiere und Pflanzen ertrinken in Regenflut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:40 28.05.2013
In Niedersachsen sind viele Gebiete überschwemmt. Quelle: Michael Thomas
Anzeige
Hannover

Das Hochwasser in Niedersachsen nimmt kein Ende. Vor allem im Süden und Osten des Landes kämpft die Feuerwehr mit Sandsäcken gegen die Wassermassen und pumpt überflutete Keller leer. Auch in den kommenden Tagen rechnen Meteorologen mit starken Regenschauern und steigenden Wasserpegeln. „Eine Entspannung gibt es nicht“, warnte Wolfgang Seifert vom Deutschen Wetterdienst am Dienstag. „Wir werden Donnerstag und Freitag noch einen Zuwachs von bis zu 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter haben.“

Die seit Tagen andauernden Regengüsse haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Vor allem in den südlichen Teilen Niedersachsen sind zahlreiche Ortschaften überschwemmt.

Die anhaltenden Regenfälle machen auch den Tieren zu schaffen. Einige Jungstörche verendeten bereits elendig in ihren durchnässten Nestern. „Wenn die Eltern der Jungen selbst klitschnass sind, können sie ihre Küken nicht wärmen“, sagte Udo Hilfers von der Storchenpflegestation Wesermarsch. Da durch das Wetter weniger Jungstorche groß würden, kämen später weniger Vögel zurück in die Region.

Anzeige

Zahlreiche Vogelarten finden bei dem nasskalten Wetter zudem kaum Nahrung. „Es ist unglücklich, dass dieses Wetter mitten in die Brutzeit fällt. Viele Jungtiere können sich davon nicht erholen oder sterben“, sagte Joachim Neumann vom Artenschutzzentrum Leiferde. Kleine Hasen und Mäuse hätten Probleme, in dem nassen Untergrund Unterschlupf zu finden.

Von wegen Wonnemonat – in den letzten Tagen ist in Hannover so viel Niederschlag hinuntergekommen, wie seit langem nicht mehr. Eine Stadt versinkt im Dauerregen.

Die niedersächsischen Bauern kämpfen indes mit überfluteten Feldern. Das Hochwasser setzt vor allem den erst kürzlich ausgesäten Maispflanzen und Zuckerrüben zu. „Die kleinen Pflanzen saufen ab“, sagte Gabi von der Brelie, Sprecherin des Landvolks Niedersachsen. „Wenn die Felder länger überflutet sind, kann es sein, dass sie neu bestellt werden müssen.“ Die kalten Temperaturen schaden vor allem dem Spargel und den Erdbeeren. „Da ist die Vegetation weit zurück“, sagte von der Brelie.

Auch die Gastronomen klagen über das miese Wetter. „Die Außengastronomie ist seit Saisonbeginn ins Wasser gefallen“, sagte Rainer Balke, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Niedersachsen. Die Regenfälle im Mai würden einigen Wirten bis zu 20 Prozent des Saisonumsatzes kosten. Am meisten litten die Biergärten unter dem anhaltenden Regen. „Für die ist der Verlust kaum einholbar“, warnte Balke, „in dem einen oder anderen Fall könnte es zu Existenzproblemen kommen.“

dpa