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Der Norden Bekommt Hamburg das bessere Moia?
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00:39 29.04.2018
So sehen die Elektro-Bullis von Moia aus, die in Hamburg zum Einsatz kommen sollen. Bis sie auch in Hannover fahren, dauert es noch. Quelle: dpa
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Hannover

In Hannover ist Moia schon seit Monaten unterwegs, in Hamburg darf der Schuttle-Dienst des VW-Konzerns von 2019 an den Start gehen. Wie die Hamburger Wirtschaftsbehörde am Donnerstag mitteilte, soll der Fahrdienst  noch Ende dieses Jahres zunächst mit einem beschränkten Testbetrieb starten und dann ab dem 1. Januar umfassend erprobt werden. 

Das Konzept ist ein Shuttle-Service mit eigens für Hamburg entwickelten Elektrobussen, die wie in Hannover per Smartphone-App zu definierten virtuellen Haltepunkten gerufen werden können. Mehrere Fahrgäste, deren Start- und Zielpositionen in ähnlicher Richtung liegen, teilen sich ein Fahrzeug und bezahlen einen Fahrpreis, der in der ersten Testphase Ende 2018 maximal 30 Cent pro Person und Kilometer kosten soll. „Sobald der Service 2019 offiziell startet, muss und wird der Preis deutlich höher sein“, sagte eine Moia-Sprecher.

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In den ersten zwei Jahren ist der Betrieb auf höchstens 500 Wagen beschränkt. Erst wenn sich nach dieser Probephase herausgestellt hat, „dass der Service von Moia öffentliche Verkehrsinteressen nicht beeinträchtigt“, dürfen weitere Fahrzeuge dazukommen. Insgesamt will Moia in Hamburg in den kommenden vier Jahren 1000 voll elektrisch angetriebene Autos auf die Straße bringen.

Mit der Einschränkung kommt die Wirtschaftsbehörde den Taxifahrern entgegen, die wie in Hannover gegen die neue Konkurrenz aus dem VW-Konzern protestieren. „Insbesondere darf das Taxigewerbe nicht in seiner Funktion beeinträchtigt werden“, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Die Hamburger Taxi-Fahrer wollen dennoch gegen die Genehmgigung von Moia klagen. 

Wie es mit Moia in Hannover weitergeht, ist derzeit unklar. Der Stadt liegt ein Genehmigungsantrag vor, über den die Verwaltung bald entscheiden will. In Hannover plant die VW-Tochter mit insgesamt 250 Shuttle-Bussen, die innerhalb von vier Jahren auf die Straße gebracht werden sollen. Das Ziel ist, irgendwann das gesamte Stadtgebiet abzudecken. Derzeit sind in einer Testphase 35 bezinbetriebene VW-T6 in einem eingeschränkten Gebiet unterwegs. Der Kilometer kostet derzeit 6 Cent pro Person.

Anders als in Hamburg verzichtet Moia in Hannover vorerst auf voll elektrische Wagen. Ihr Einsatz ist laut dem Genehmigungsantrag an die Stadt erst ab 2019 geplant. Dann will Moia die gleichen, auf dem VW-Crafter basierenden Elektro-Busse auch hier nach und nach in die Flotte integrieren. Bis 2020 soll die Hälfte der Wagen emissionsfrei unterwegs sein. Erst bis zum Jahr 2022 strebt Moia an, „die vollständige Flotte mit emissisionsfreien Fahrzeugen auszustatten“. Einen weiteren Unterschied gibt es zu Hamburg: Dort sollen auch behindertengerechte Fahrzeuge unterwegs sein. Im Genehmigungsantrag an die Stadt Hannover ist davon keine Rede. 

Interessant wird sein, ob Hannover wie Hamburg eine Ausweitung des bekannten Dienstes von Moia genehmigt. Denn in der Hanstadt darf Moia auch sogenannte Mietwagen anbieten. Dann teilt sich der Kunde den Wagen nicht mit anderen Fahrgästen. Er kann sich ein Moia-Fahrzeug gegen Aufpreis quasi exklusiv buchen. Er muss dann auch nicht zu einem der virtuellen Haltepunkte gehen, sondern kann sich zu Hause abholen und direkt an sein Ziel bringen lassen. Das Angebot will Moia auch in Hannover auf den Markt bringen. Das „Exklusiv-Shuttle“ kann dann etwa zum Flughafen nach Langenhagen fahren und den Preis einer Taxifahrt haben.  

In Hannover will Moia ein drittes Modell installieren, das zwischen der herkömmlich Lösung und dem Taximodell liegt. Man teilt sich zwar den Wagen mit anderen Fahrgästen, kann aber gegen Aufpreis angeben, dass man auf direktem Weg an sein Ziel gebracht werden will. Normalerweise muss man Umwege in Kauf nehmen.

Auch darüber hinaus plant Moia laut seinem Genehmigungsantrag einen weitaus umfassenderen Service als bisher bekannt. So will die VW-Tochter etwa Kooperationspartner mit ins Boot holen. Das bedeutet, dass etwa Unternehmen ihre Mitarbeiter von Moia zur Arbeit bringen lassen können. Auch Restaurants, Theater oder Geschäfte sollen sich am Fahrpreis für Kunden und Besucher beteiligen können. Dieses Modell hat Moia auch in Hamburg vorgeschlagen. Ob es Teil der Genehmigung ist, war am Donnerstag nicht mehr zu erfahren.  

 

Von Karl Doeleke und Christian Wölbert

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