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Der Norden Lebensmittel zu oft schlampig deklariert
Nachrichten Der Norden Lebensmittel zu oft schlampig deklariert
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14:59 09.08.2013
Ein Drittel aller untersuchten Fleisch- und Wurstprodukte waren fehlerhaft gekennzeichnet. Quelle: dpa
Hannover

Lebensmittel in Supermärkten, Bäckereien oder Gaststätten in Niedersachsen sind trotz Aufdeckung vieler Skandale nach wie vor oft schlampig deklariert. Kunden werden über den wahren Inhalt getäuscht, wenn statt des versprochenen Hähnchenschnitzels das Produkt aus zerkleinertem und wieder zusammengepresstem Fleisch besteht. Das geht aus dem Verbraucherschutzbericht 2012 hervor, den Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) am Freitag in Hannover vorstellte. „Was drauf steht, muss auch drin sein“, sagte er. „Die Kennzeichnung von Fleischprodukten muss unbedingt verbessert werden.“

Auch viele Hygienemängel deckten die Behörden bei ihren rund 72 000 Kontrollen im vergangenen Jahr auf. Eine echte Gesundheitsgefahr gab es aber nur in den allerwenigsten Fällen. „Es ist keinem zuzumuten, das zu essen - dieses Urteil ist sehr selten“, sagte Prof. Eberhard Haunhorst, Präsident des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das für die Überwachung in Niedersachsen zuständig ist.

Minister Meyer sagte, etwa ein Drittel aller untersuchten Fleisch- und Wurstprodukte seien fehlerhaft gekennzeichnet gewesen. Besonders auffällig waren kleine Hersteller wie Schlachtereien, die teilweise auch mit den Kennzeichnungsvorgaben überfordert seien - hier gab es in fast zwei Dritteln Beanstandungen. „Wir finden nach wie vor einen ärgerlich hohen Anteil an Schlampigkeiten vor“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, Prof. Hubert Meyer - die Kreise kümmern sich um die kommunalen Kontrollen.

Etwa 40 Prozent aller Betriebe in Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr besucht, in fast der Hälfte aller Fälle wurden Verstöße festgestellt. 487 Mal endete das mit einem Bußgeld für die Betroffenen, 154 Mal wurde sogar die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Zu den schlimmsten Fällen zählte eine Bäckerei im Großraum Hannover - dort spazierten Kakerlaken herum. Weil der Besitzer sich zunächst wenig einsichtig zeigte, sperrten die Behörden die Bäckerei zwei Tage für eine Grundreinigung.

Bei den Besuchen wurden rund 33 000 Lebensmittel-Proben genommen - hier gab es in etwa 14 Prozent Beanstandungen. „Gefunden wurden Bakterien, Viren, Schimmel, Hefepilz. Das geht gar nicht“, sagte Prof. Hubert Meyer. Untersucht wurden nicht nur Fleisch und Backwaren, auch Schnittbrot hatte oft Mängel, Konserven mit eingelegtem Gemüse waren nicht in Deutsch beschriftet, das Frittierfett von Pommes war in 36 von 146 Fällen nicht mehr geeignet. Nach den Proben wurden 76 Strafverfahren eingeleitet und 161 Mal Bußgeld verhängt.

Probleme gibt es mit dem neuen niedersächsischen Verbraucherportal, das Hygiene-Sünden in Geschäften und Restaurants dokumentiert und das vor knapp einem Jahr an den Start ging. In dem Portal werden mit vollem Namen der betroffenen Betriebe deren Mängel aufgelistet, für die ein Bußgeld von mehr als 350 Euro fällig wurde. Nach einem erst kürzlich ergangenen Urteil des OVG Lüneburg ist die Veröffentlichung der Verstöße dort nun derzeit nicht mehr rechtskonform - nur Altfälle tauchen dort noch auf, neue Verstöße werden nicht mehr veröffentlicht.

Landesamt für Verbraucherschutz

Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) wurde 2001 als Reaktion auf die BSE-Krise gegründet. Damals erkrankten erstmals auch in Deutschland Rinder an der neuen Krankheit, später zeigte sich, dass der Verzehr BSE-infizierter Rinder beim Menschen zu einer neuartigen Variante eines Hirnleidens führen kann. Das Laves bündelt unter seinem Dach diverse ehemals staatliche Untersuchungsämter. Die Mitarbeiter beschäftigen sich unter anderem mit der Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung, Fleischhygiene, Tierseuchenbekämpfung, ökologischem Landbau und Tierschutz. Die Laves-Zentrale hat ihren Sitz in Oldenburg. Weitere Standorte sind Braunschweig, Hannover, Cuxhaven, Celle, Lüneburg und Stade.

dpa

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