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Der Norden Ausbaggern der Ems belastet Steuerzahler
Nachrichten Der Norden Ausbaggern der Ems belastet Steuerzahler
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09:01 19.02.2015
Seit Jahrzehnten streiten sich Naturschützer mit dem Land über den Zustand der Ems. Quelle: dpa
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Papenburg/Aurich

Eine ökologisch intakte Flusslandschaft mit Tidetümpeln, Watt und natürlichen Uferlebensräumen: Mit diesem idyllischen Leitbild werben die Umweltverbände WWF, Nabu und Bund in Niedersachsen für ein gigantisches Projekt. Mit der Landesregierung und der Papenburger Meyer Werft haben sie den Masterplans Ems 2050 ausgehandelt. Er soll den ersehnten Ausgleich schaffen zwischen ökologischen Verbesserungen und der Erhaltung der Lebensader Ems als leistungsfähige Bundeswasserstraße. Die Hoffnungen sind groß, die Skepsis ist es aber auch. Seit Jahrzehnten wird im Emsland und in Ostfriesland von Leer bis Emden über eine Emssanierung gestritten.

Es wurde viel diskutiert und auf Papier geschrieben. Passiert ist in der Praxis aber wenig: Die Ems gilt als größter deutscher Problemfluss. Seit 1984 wurde der Fluss mehrfach vertieft und begradigt - alles auf Steuerzahlerkosten. Mindestens 188 Millionen Euro sind allein in den vergangenen zehn Jahren an Baggerkosten angefallen. Die Maßnahmen gegen die zunehmende Verschlickung nützen vorrangig der Papenburger Meyer Werft. Vor jeder Überführung eines neuen Kreuzfahrtschiffes in Richtung Nordsee muss die Flusssohle vertieft werden, damit die Ozeanriesen durch die schmale Ems fahren können.

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Dabei werden jedes Mal im Schnitt acht Millionen Euro an Baggerkosten fällig. Für 2012 hat die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt Nordwest in Aurich nach Preissteigerungen bei den Baggerunternehmen sogar Kosten von 26 Millionen Euro errechnet. Jedes Jahr kommen drei bis vier Millionen Euro für die Lagerung von Schlick an Land hinzu. Die Meyer Werft beteiligt sich nicht an den Baggerkosten: "Das Wasser- und Schifffahrtsamt ist verpflichtet, die Bundeswasserstraße Ems durch Unterhaltsbaggerungen das ganze Jahr schiffbar zu halten - völlig unabhängig von uns", sagt Werftsprecher Peter Hackmann.

Das Traditionsunternehmen sieht aber auch die Probleme an der Ems und erwartet durch den Masterplan Verbesserungen: "Wir wollen alle gemeinsam eine gesunde und saubere Ems und gleichzeitig die Lebensader der Region stärken. Das ist mit diesem Plan gelungen", sagt Werftchef Bernard Meyer. Ob die Rechnung bis 2050 aufgeht, ist für andere Beteiligte dagegen unklar. "Wir haben das komplexe System des Flusses und die großen Zusammenhänge noch nicht verstanden", sagt der Oldenburger Meereswissenschaftler Thomas Badewien. Er untersucht mit einer internationalen Forschergruppe, wie sich an der Ems der ökologische Wert steigern lässt, ohne die wirtschaftliche Rolle infrage zu stellen.

"Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht", sagt Badewien. Anders als die Funktionäre der großen Naturschutzverbände in Hannover und Hamburg glauben Naturschützer in der Emsregion nicht an die segensreiche Wirkung der Masterplan-Ideen. "Die Summe der angedachten Maßnahmen gleicht einem Flickenteppich", kritisiert Hajo Rutenberg von der Bürgerinitiative "Rettet die Ems". Völlig außen vor sehen sich Landwirte in der Region: "Hier kochen gerade unheimlich viele Emotionen hoch", sagt Andrea Sweers vom Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter in Ostfriesland. "Der Masterplan wird für viele von uns im Landkreis Leer zum Desasterplan, wenn wir neue Auflagen bekommen, die landwirtschaftlichen Flächen knapper werden und die Pachtpreise steigen." Am Freitag wird in Leer erneut über den Masterplan diskutiert: Landwirte wollen dann demonstrativ mit dem Trecker vorfahren.

dpa

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