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Der Norden Vorsicht, Staupe! Hunde sollten an die Leine
Nachrichten Der Norden Vorsicht, Staupe! Hunde sollten an die Leine
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14:50 10.04.2012
Dieser in Ruthe (Kreis Hildesheim) gefundene tote Fuchs trug das Staupevirus in sich. Quelle: Knoppik
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Hannover

Eine überwunden geglaubte Krankheit taucht wieder vermehrt in Niedersachsen auf - das für Hunde gefährliche Staupevirus. In mehreren Regionen wurden in den vergangenen Wochen verendete Füchse gefunden, in denen der Virus nachgewiesen wurde. Freilaufende Hunde können sich bei Wildtieren anstecken.

„Staupe ist eine virusbedingte Infektionskrankheit, die den ganzen Körper befallen kann“, sagt Prof. Ludwig Haas vom Institut für Virologie der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Das Staupevirus wird, wie auch das Masern- und Seehundstaupevirus, durch Speichel, Nasen- und Augensekret infizierter Tiere übertragen. Empfängliche Tiere können sich somit direkt durch gegenseitiges Belecken und Tröpfcheninfektion anstecken oder nehmen den Krankheitserreger mit verunreinigtem Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf. In der Regel, so Haas, sei es eine Jungtiererkrankung, die allerdings auch geschwächte ältere Tiere befallen kann. Diese sind allerdings häufiger nur Träger des Virus.

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Zuletzt wurden im Kreis Hildesheim verendete Füchse entdeckt. Bei zweien von ihnen hat das Veterinäramt den gefährlichen Virus eindeutig festgestellt. In der Region Hannover wurden im Dezember fünf tote Füchse in der Leinemasch gefunden, die das Virus im Körper hatten. Auch im Landkreis Goslar und im Stadtgebiet von Salzgitter wurde der Erreger in den vergangenen zwei Wochen nachgewiesen.

Das Staupevirus wird immer wieder bei Mardern und Füchsen nachgewiesen. Neben Hunden erkranken auch Wildtiere wie Dachs, Baum- und Steinmarder daran. Für Menschen ist die Staupe ungefährlich.

Die Symptome der Krankheit ähneln denen bei Menschen, die Grippe haben, sagt Haas: „Das klassische Bild beinhaltet Atemwegsbeschwerden, Schnupfen, Husten und Fieber. Nicht selten geht die Erkrankung auch mit Durchfall einher.“ Die Symptome könnten behandelt werden, gegen den Virus gebe es allerdings keine Medikamente. Das Tückische, weil Unvorhersagbare seien die möglichen Spätfolgen: „Es kann zu zentral-nervösen Störungen wie zum Beispiel Muskelzuckungen und epileptischen Anfällen kommen“, sagt der Virologe.

Die Sterbewahrscheinlichkeit beträgt je nach Verlaufsform und Schwere des Krankheitsverlaufs zwischen 30 und 80 Prozent, teilt das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) mit. Im angeschlossenen Veterinärinstitut Hannover wurden im vergangenen Jahr 192 Proben von auffälligen Wildtieren untersucht. 36 Prozent aller auf Staupevirus untersuchten Wildtiere wurden positiv getestet.

„Viele Menschen wissen gar nicht, dass es die Krankheit noch gibt, deswegen appelliere ich eindringlich an die Hundehalter, ihre Tiere impfen zu lassen“, sagt Haas. Denn nur eine Impfung könne Hunde effektiv vor dem Staupevirus schützen. „Die Erreger sind nicht nur im Wald zu finden, Füchse und Marder fühlen sich auch in der Stadt schon heimisch“, warnt Haas.

Mira Colic

09.04.2012
09.04.2012