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Der Norden Der Professor wird zur Mangelware
Nachrichten Der Norden Der Professor wird zur Mangelware
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19:52 28.10.2015
Von Heiko Randermann
Beliebte Wahl: Weil immer mehr Jugendliche Abitur machen, steigen auch die Studierendenzahlen deutlich an. Foto: dpa Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Damit droht dem Bundesland nun eine Entwicklung, die sich in anderen Bundesländern schon vorher abgezeichnet hat, wie eine aktuelle Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zeigt: Die Betreuung der Studierenden wird schlechter, weil die Zahl der Professoren nicht im gleichen Maße steigt.

Nach den CHE-Daten begannen 2005 rund 350 000 Menschen in Deutschland ein Studium, 2013 waren es bereits mehr als eine halbe Million. Das entspricht einem Anstieg der Erstsemesterzahlen um 42 Prozent. In den westdeutschen Flächenländern sind die Zahlen sogar um 50 Prozent gestiegen. Der Trend in Niedersachsen zeigt in die gleiche Richtung, fällt allerdings moderater aus: von 26 000 Erstsemestern im Jahr 2005 auf 36 000 im Jahr 2013 - ein Plus von 40 Prozent.

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„Das Wachsen des Hochschulsystems darf nicht zu ,Wachstumsschmerzen‘ auf Kosten der Studierenden führen“, warnte CHE-Geschäftsführer Jörg Dräger. Eine gute Betreuung und der Zugang zu Professoren müsse weiterhin gewährleistet bleiben. Doch genau das habe gelitten: 2005 mussten sich im Bundesschnitt 54 Studierende einen Professor teilen, 2013 waren es schon 63.

In Niedersachsen kamen im Jahr 2013 immerhin noch 54 Studenten (2005 waren es 50 Studenten) auf einen Professor. Nach Abschaffung der Studiengebühren dürfte das Verhältnis allerdings schlechter geworden sein. Ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums kritisierte, die alleinige Betrachtung der Professoren sei nicht vollständig, da für die Betreuung der Studierenden das gesamte wissenschaftliche Personal zuständig sei. Hier habe sich die Relation in Niedersachsen sogar positiv entwickelt: von 16,7 Studierenden pro Mitarbeiter auf 15,1.

Doch das weist das CHE in seiner Studie zurück. Man habe den akademischen Mittelbau nicht in den Fokus genommen, um zu zeigen, dass die Länder auf dauerhafte und damit teurere Professorenstellen verzichten und lieber auf den akademischen Mittelbau setzen, den man schneller wieder abbauen könne.

„Das gesamte deutsche Hochschulsystem leidet an einer personellen Unterversorgung. Da ist Niedersachsen keine Ausnahme“, sagt der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen, Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Seit dem Ausbau der Kapazitäten in den Siebzigerjahren habe sich das Betreuungsverhältnis verschlechtert. „Das hat sich jetzt verschärft, weil wir mittlerweile die Hälfte eines jeden Jahrgangs in den Hochschulen haben“, sagt Friedrich, der Präsident der Universität Hildesheim ist.

Die Forderung des Professors: „Der Bund muss in die Grundfinanzierung der Hochschulen einsteigen.“ Übernähme die Bundesregierung die Finanzierung von Bauvorhaben, könne das Land die frei werdenden Mittel in dauerhafte Personalstellen investieren, sagt Friedrich.

Der Hochschulpakt

Geplanter Ausbau: Im Jahr 2007 wurde zwischen Bund und Ländern der Hochschulpakt geschlossen. Das Ziel war, die Belastung des doppelten Abiturjahrgangs für die Universitäten abzufedern. Tatsächlich wurden die Erwartungen aber von der Realität übertroffen. Anstatt eines kurzfristigen Anstiegs der Studierendenzahlen verzeichnen die Universitäten seither einen anhaltenden Boom bei den Erstsemesterzahlen – obwohl gleichzeitig die Zahl der Schüler in ganz Deutschland kontinuierlich sinkt. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) geht davon aus, dass das Plus von 43 Prozent bei den Erstsemestern nicht vor dem Jahr 2050 wieder auf das Niveau des Jahres 2005 absinken wird. Bei der Entwicklung gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Während der Westen deutlich zulegte, blieben die Studierendenzahlen im Osten mit plus 6,7 Prozent auf einem Niveau.

ran