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Der Norden Wie viele Flüchtlinge studieren ist unklar
Nachrichten Der Norden Wie viele Flüchtlinge studieren ist unklar
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16:40 09.11.2015
Von Heiko Randermann
Die Flüchtlinge Helin Kassem (von links) und Laila Kasem aus Syrien und Iman Ziaudin aus Afghanistan sitzen in einem Hörsaal der HAWK Hochschule in Hildesheim. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Das Land Niedersachsen hat keinen Überblick, wie viele Flüchtlinge sich für die Hochschulen interessieren oder gar eingeschrieben haben. Auch hat das Ministerium bislang keine eigenen Programme zur Unterstützung der Flüchtlinge aufgelegt, sondern lediglich ein bestehendes Hilfsprogramm für Asylsuchende geöffnet.

„Wege ins Studium öffnen“ heißt das Programm, das im Januar 2014 ins Leben gerufen wurde. Es richtet sich an Kinder aus nicht-akademischen Familien, denen mit Hilfeangeboten die Schwellenangst vor dem Campus genommen werden soll. In dieses Programm können jetzt auch Asylsuchende aufgenommen werden. Man habe „bereits vorhandene Mittel schnell und unbürokratisch bereitgestellt“, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Im kommenden Jahr wolle man das Programm ausbauen und erweitern. Einen Schritt hat Niedersachsen gemacht, mit dem das Land weiter geht als die meisten Bundesländer: Asylsuchenden, die ohne gültige Zeugnisse nach Deutschland kommen, können ihre Hochschulzugangsberechtigung mit einem Test erhalten. Wenn sie die Aufnahmeprüfung am Studienkolleg mit Zwei plus oder besser bestehen, dürfen sie studieren.

Doch wie erfolgreich dieser Weg ist, woran es vielleicht noch mangelt oder was man ausbauen müsste, ist nicht bekannt. Prüflinge werden als Ausländer erfasst, nicht aber als Flüchtlinge. Auch bei der Einschreibung spielt ein Flüchtlingsstatus keine Rolle und wird auch nicht erfasst. Viele wollen das auch nicht kundtun, vermutet man im Wissenschaftsministerium. „Es ist offensichtlich so, dass es eine Hemmschwelle gibt, sich als Flüchtling zu melden“, sagte ein Vertreter des Wissenschaftsministeriums im Wissenschaftsausschuss des Landtags. In der Folge würden sich viele nur als Ausländer melden – und so versuchen, den Test zu bestehen. Hier ergibt sich auch der einzige Hinweis, dass das Programm des Landes einen gewissen Erfolg haben könnte: „Wir haben allein im September 800 Aufnahmeprüfungen am Studienkolleg gehabt. 400 wurden bestanden“, berichtete der Mitarbeiter des Wissenschaftsministeriums. „Der Aufenthaltsstatus von Studierenden wird statistisch nicht erfasst“, teilte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage mit. In Beratungsgesprächen und Sprachkursen lasse sich jedoch ein großes Interesse an der Aufnahme eines Studiums erkennen.

Die Opposition zieht daraus den Schluss, dass die Regierung bei der Darstellung des Flüchtlingsprogramms an den Hochschulen ein wenig übertrieben hat. Die im August ergangene Meldung, man stelle drei Millionen Euro für Flüchtlinge bereit sei „eine komplette Ente“, sagte der wissenschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Jörg Hillmer. „Das finde ich nicht seriös.“ Das Land habe lediglich ein Drei-Millionen-Euro-Programm für Flüchtlinge geöffnet. Die Ministerin wolle sich mit dem Programm schmücken, aber „letztlich müssen wir uns um diejenigen, die an einer Hochschule ankommen und studieren, nicht intensiv kümmern. Die machen schon ihren Weg“, sagt Hillmer. Wichtiger sei es, die angeblich eingesetzten Millionen für Sprach- und Schreibunterricht für die Analphabeten unter den Flüchtlingen einzusetzen.

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