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Der Norden Wiesenvögel sind in Niedersachsen in großer Gefahr
Nachrichten Der Norden Wiesenvögel sind in Niedersachsen in großer Gefahr
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00:15 23.03.2013
Von Gabriele Schulte
Foto: Nabu und Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Bekassine zum Vogel des Jahres 2013 gekürt.
Nabu und Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Bekassine zum Vogel des Jahres 2013 gekürt. Quelle: dpa
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Hannover

Der taubengroße Schnepfenvogel mit dem markanten Schnabel verzeichne alarmierende Bestandsverluste, weil sein Lebensraum, Grünland und Moore, dramatisch zurückgehe. „Auch andere Wiesenvögel wie der Kiebitz und die Uferschnepfe sind auf dem absteigenden Ast“, sagte Sprecher Ulrich Thüre am Mittwoch in Hannover.

Über mögliche Schutzmaßnahmen berieten zuvor mehr als hundert Naturschutzexperten in Lemförde (Kreis Diepholz). „Nur wenn Naturschutz und Landwirtschaftspolitik besser Hand in Hand gehen, können wir die Bekassine und andere Wiesenvögel retten“, meinte Nabu-Vizepräsident Helmut Opitz bei dem Symposium des Nabu und der Staatlichen Vogelschutzwarte im Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. „Dafür müssen wir Landes- und EU-Mittel noch gezielter einsetzen.“

Einen der Hauptgründe für die Bestandsrückgänge, die sich in jüngster Zeit beschleunigt hätten, sehen die Naturschützer in der Entwässerung von Mooren für den Torfabbau und ihre Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen. Auch der vermehrte Maisanbau für Biogasanlagen habe zu einem massiven Rückgang der Wiesenbrüter geführt. Feuchtgrünland wurde auf ehemaligen Moorstandorten großflächig in Acker umgewandelt und damit als Lebensraum zerstört. In Niedersachsen sei der Anteil an Grünland in den Vogelschutzgebieten im vergangenen Jahrzehnt um fast ein Drittel zurückgegangen. Auf den verbliebenen Grünlandflächen sei die Bewirtschaftung deutlich intensiver als früher. Vor allem die starke Entwässerung und Düngung führten dazu, dass sich die Flächen für Wiesenvögel nicht mehr zum Brüten und Rasten eignen.

Für die Bekassine hat das Land Niedersachsen besondere Bedeutung. Im Land der Moore und Feuchtwiesen brüten insgesamt 28 Prozent des deutschen Bestandes. Die Staatliche Vogelschutzwarte ermittelte den landesweiten Bestand zuletzt mit 1900 Revieren. Dennoch verliert die Bekassine nach Angaben des Nabu hier im deutschlandweiten Vergleich besonders viel Lebensraum: 16700 Quadratkilometer, die die Bekassine 1980 noch besiedelte, seien heute verwaist. „Seit 1976 ist der Bestand der Bekassine in Niedersachsen um mehr als 70 Prozent zurückgegangen“, sagte Markus Nipkow, der Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte. „Den Abwärtstrend müssen wir stoppen, wir haben eine besondere Verantwortung für diese Art.“

Während des Symposiums wurden nach Angaben des Nabu auch Maßnahmen diskutiert, die die neue Landesregierung ergreifen könnte. So könnten Agrarumweltmaßnahmen künftig noch gezielter in Schwerpunktgebieten des Wiesenvogelschutzes eingesetzt werden. Dass erfolgreiche Schutzmaßnahmen möglich sind, zeigen demnach Projekte am Dümmer und in der Diepholzer Moorniederung, wo zuletzt bis zu 40 Brutpaare der wegen ihres besonderen Rufes auch „Meckervogel“ genannten Bekassine gezählt wurden. Hier hatten Naturschützer in Zusammenarbeit mit Landwirten Grünland und im Moor renaturiert und so wertvolle Brutflächen geschaffen.