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Der Norden Wissenschaftler debattieren über "Georgies"
Nachrichten Der Norden Wissenschaftler debattieren über "Georgies"
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18:45 29.03.2012
Ministerpräsident McAllister (v.l.) mit Andrew Nobles und Prof. Claus Rollinger.
Ministerpräsident McAllister (v.l.) mit Andrew Nobles und Prof. Claus Rollinger. Quelle: Lewandowski
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Osnabrück

Nicht, dass Osnabrück eine bedeutende Rolle gespielt hätte, als die Kurfürsten aus Hannover auch das englische Königreich regierten. In den 123 Jahre von 1714 bis 1837 spielte die Stadt im Westen im Kalkül der Welfen allenfalls eine Nebenrolle. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der erste hannoversche König auf dem Thron in London ausgerechnet in der Bischofsstadt an der Hase sein Leben aushauchte. 1727 hatte König Georg I. auf der Reise ins heimische Hannover im emsländischen Lingen der Schlag getroffen. Seine Höflinge schleppten den armen Monarchen noch bis Osnabrück. Unter den damaligen Bedingungen sicher eine Tortur. Im fürstbischöflichen Schloss schließlich starb Georg I. mit 67 Jahren.

Trotz dieser traurigen Geschichte erlebte Osnabrück nun den Auftakt einer ganzen Serie von Veranstaltungen, die an die Personalunion von Hannover und England erinnern sollen. Zwei Jahre bevor in Hannover und Celle große Ausstellungen das Ereignis vor 300 Jahren würdigen, trafen sich an der Universität Osnabrück Historiker, um ihre Forschungsergebnisse auszutauschen. Ein Ereignis immerhin, das dem Geschäftsträger der britischen Botschaft und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister eine Reise nach Osnabrück wert war. Der Diplomat Andrew Nobles sprach liebevoll von den „Georgies“, die einst in England regierten und die selbst seine achtjährige Tochter kenne. Eine Kinderbuchreihe mit dem Titel „Schreckliche Geschichte“ widme den Königen mit Migrationshintergrund schließlich ein eigenes Kapitel. Überschrift: „Die hinreißenden Georgies“.

Seit zu Zeiten der Völkerwanderung die Angelsachsen aus Germanien die britischen Inseln besiedelten, verbinde Deutschland und Britannien eine gemeinsame - nicht immer friedvolle - Geschichte, erklärte Thomas Vogtherr, Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Heute regiere mit David McAllister sogar ein Schotte das Land Niedersachsen. Das hielt der Wissenschaftler für bemerkenswert und lobte die friedlichen Beziehungen zwischen den britischen und deutschen Völkern der Gegenwart.

Der so herausgehobene Ministerpräsident hatte es sich denn auch nicht nehmen lassen, den in Osnabrück versammelten Historikern „meine Leidenschaft für Ihr Thema“ zu bekunden. Allzu lange habe eine preußische Sichtweise auch auf die niedersächsische Landesgeschichte die Erinnerung an das Königreich Hannover und die Fürstentümer in Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg-Lippe verblassen lassen. Dies gelte es jetzt mit Blick auf das Jubiläum 2014 aufzuarbeiten, erklärte der Ministerpräsident.

Die Welfen aus Hannover hatten die Krone von England vor allem der Macht des dortigen Parlaments zu verdanken. Dieses, so erklärte der Historiker Ronald G. Asch, wollte mit den lutherischen Fürsten vom Kontinent entschiedene Verteidiger des Protestantismus gegen die katholischen „Mächte der Finsternis“ auf dem Thron sehen. „Dieser Mission blieben sie über Jahrzehnte verpflichtet“, erklärte Asch.

Zugleich aber begann mit der Personalunion das „britische Zeitalter“ in Europa, so der Historiker aus Freiburg. Auch wegen der Verantwortung für die Herrschaft in Hannover mischte sich London immer stärker in die Politik auf dem europäischen Kontinent ein. Ein Vorbild, das Ronald G. Asch der gegenwärtig gelegentlich anti-europäischen Politik Britanniens durchaus zur Nachahmung empfehlen mochte.

Bernahrd Remmers

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