Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Yagmurs Eltern schweigen vor Gericht
Nachrichten Der Norden Yagmurs Eltern schweigen vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:19 11.06.2014
Die Eltern der getöteten Yagmur stehen in Hamburg vor Gericht. Quelle: dpa
Anzeige
Hamburg

Die Mutter soll ihre dreijährige Tochter zu Tode geprügelt, der Vater nichts dagegen getan haben. Die 27-Jährige muss sich seit Mittwoch wegen Mordes vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Dem 25-jährigen Vater wird Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen verantworten.

Die Angeklagte habe einen Menschen grausam getötet, sagte Oberstaatsanwalt Michael Abel. Über Monate habe die 27-Jährige ihre Tochter immer wieder geschlagen, getreten und gekniffen. „Das Kind musste ständig mit neuen Angriffen rechnen.“ Die Eltern der dreijährigen Yagmur aus Hamburg-Billstedt wollen vor Gericht zunächst schweigen. Das erklärten die Verteidiger.

Anzeige

Oft sei der Vater bei den Prügelattacken anwesend gewesen oder habe bei seinem Kind Verletzungen bemerkt, schilderte Abel. „Er sah häufig Hämatome und Kratzer und wusste, dass diese Verletzungen durch die Mutter verursacht wurden.“ Der 25-Jährige habe seine Tochter aber nicht geschützt und weder Polizei noch Jugendamt verständigt. Am 18. Dezember vergangenen Jahres sei das Mädchen schließlich nach einem Leberriss an inneren Blutungen gestorben.

Derzeit beschäftigt sich ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft mit möglichen Fehler der Behörden. Yagmur wurde seit ihrer Geburt von drei Jugendämtern betreut. Auf Wunsch der leiblichen Eltern lebte das Mädchen zunächst bei einer Pflegemutter, hatte aber weiterhin Kontakt zu ihrer Familie. Schon lange vor Yagmurs Tod gab es Hinweise auf Misshandlungen, ein Rechtsmediziner erstattete nach einer schweren Operation des Mädchens Anzeige gegen unbekannt.

Doch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden im November 2013 eingestellt, weil nicht geklärt werden konnte, ob die Pflegemutter oder die leiblichen Eltern für die Taten verantwortlich waren. Dass dies nicht die Unschuld von Vater und Mutter bedeutete, wurde im zuständigen Jugendamt missverstanden. Es hatte bereits im Sommer 2013 dem Wunsch der leiblichen Eltern nachgegeben, das Kind möge wieder bei ihnen leben. Die Gefahr, in der sich Yagmur befand, wurde übersehen. Auch gegen Jugendamtsmitarbeiter laufen deshalb Ermittlungen.

Insgesamt hat das Landgericht bis September mehr als 20 Verhandlungstage anberaumt.

dpa

Mehr zum Thema
Meinung Kinderschutz - Misstrauen, bitte!

Interne Prüfer schließen eine Mitverantwortung der Behörden für den Tod der dreijährigen Yagmur nicht aus. Warum versagen die Behörden bei Kinderschutz? Eine Analyse von Gabi Stief.

Gabi Stief 06.02.2014
Panorama Kinderschutzsystem - Jede Woche drei tote Kinder

Die Rechtsmediziner Saskia Guddat und Michael Tsokos beklagen das alltägliche Versagen des deutschen Kinderschutzsystems – und fordern Konsequenzen.

Gabi Stief 03.02.2014
Der Norden Tote Dreijährige in Hamburg - Yagmurs Vater streitet Misshandlung ab

Wer trägt die Verantwortung für den Tod der kleinen Yagmur? Die Eltern der Dreijährigen sitzen in Untersuchungshaft, gegen Jugendamtsmitarbeiter gibt es Vorermittlungen. Die Kritik an den Behörden wird immer lauter.

20.12.2013
11.06.2014
Der Norden Nachwuchs im Dörverdener Wolfscenter - Im Bett mit Wölfen
11.06.2014
Der Norden Missbrauch einer 13-Jährigen - Zweiter Sexualstraftäter im Spiel
Karl Doeleke 10.06.2014