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Der Norden Zehntausende Niedersachsen dopen im Job
Nachrichten Der Norden Zehntausende Niedersachsen dopen im Job
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15:56 06.05.2015
Häufig werden laut DAK Betablocker, Antidepressiva, Wachmacher und ADHS-Pillen eingesetzt. Quelle: dpa
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Hannover

Rund 75 000 Beschäftigte in Niedersachsen helfen ihrer Leistung am Arbeitsplatz regelmäßig mit Medikamenten auf die Sprünge. Das geht aus einem Report der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, den DAK-Landeschefin Regina Schulz am Mittwoch in Hannover vorstellte. Die Doping-Zahlen seien ein Alarmsignal, sagte sie. „Nebenwirkungen und Suchtgefahr sind nicht zu unterschätzen.“ Die positiven Effekte gingen auch immer mit negativen einher, sagte Helge Frieling, Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Ein Beispiel: „Wenn ich die Speicherkapazität verbessere, verliere ich auch Löschfähigkeit. Ich werde also bestimmte Dinge nicht mehr los.“

Häufig werden laut DAK Betablocker, Antidepressiva, Wachmacher und ADHS-Pillen eingesetzt. Der Grund sei oft, dass sich Beschäftigte durch hohen Leistungsdruck und Stress überfordert fühlen und dann zur Pille greifen. Für den Bericht wurden im Bundesgebiet 5000 Menschen zwischen 20 und 50 Jahre befragt. Demnach dopen sich knapp zwei Prozent der Niedersachsen mindestens zweimal im Monat.

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„Das Klischee der dopenden Top-Manager ist vom Tisch“

Erfolg haben sie damit nicht, glaubt Frieling. „Im Moment gibt es keine Substanzen, die es wirklich bringen.“ Das Verhältnis von  Risiko und Nutzen sei schlecht. So gebe es eine ganze Reihe von Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen. „Das ist ähnlich, wie wenn man einen Motor bei 10 000 Umdrehungen pro Minute fährt. Der geht dann irgendwann kaputt.“ Beim Arbeitsplatz-Doping gibt es Geschlechterunterschiede. Männer wollen dem DAK-Bericht zufolge mit den Medikamenten eher ihre Leistung steigern, Frauen ihr Laune heben. Vor allem Erwerbstätige mit einfachen Jobs seien gefährdet. „Das Klischee der dopenden Top-Manager ist damit vom Tisch“, sagte DAK-Landeschefin Schulz.

Sieben Prozent der Niedersachsen gaben bei der Befragung im vergangenen Jahr an, wenigstens einmal mit Medikamenten im Job nachgeholfen zu haben. Hochgerechnet wären das 238 000 Menschen in Niedersachsen. Die Dunkelziffern dürften laut DAK aber fast doppelt so hoch liegen. Bundesweit waren es 6,7 Prozent, also knapp drei Millionen Menschen. Vor sechs Jahren waren es lediglich 4,7 Prozent. Wird Hirndoping bald Standard? „Dass das jetzt ein flächendeckendes Phänomen wird, kann ich mir nicht vorstellen“, sagte der Mediziner Frieling. In Deutschland werde das Thema doch sehr kritisch gesehen.

Der DAK-Report erfasste auch die Zahl der Krankheitstage. Durchschnittlich war demnach ein niedersächsischer Beschäftigter im vergangenen Jahr an 14,2 Arbeitstagen krank. Ein gleichzeitig erschienener Bericht der Techniker Krankenkasse kommt auf 15,1 Tage in 2014. Davon gingen 2,65 Tage auf das Konto von psychischen Erkrankungen, ein Anstieg um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der häufigste Grund für Ausfälle am Arbeitsplatz sind aber mit 3,4 Tagen Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen.

Von Valentin Frimmer

06.05.2015
06.05.2015