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Der Norden Zurück zu G9: Eltern warnen vor massivem Lehrermangel an Gymnasien
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Unterrichtsversorgung in Niedersachsen: Elternvertreter befürchten Lehrermangel an Gymnasien

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07:01 03.01.2020
Lehrermangel bleibt das Hauptproblem: Annette Ebmeyer (li.) aus dem Kreis Celle, Waliuollah Ali aus Hannover und Peggy Plettner-Voigt (re) aus dem Kreis Goslar vom Verband der Elternräte der Gymnasien. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Der Lehrermangel bleibt aus Sicht von Elternvertretern an Gymnasien das Hauptproblem in der niedersächsischen Bildungspolitik. Mit einem besonders schweren Engpass rechnen die Eltern im Sommer, wenn die Gymnasien zurück zu G9 wechseln. Dann werden erstmals wieder 13 Jahrgänge an den Schulen unterrichtet.

An der Notsituation werde auch die neue Imagekampagne des Landes „Job mit Klasse“, die Jugendliche für den Lehrerberuf begeistern soll, vermutlich nicht viel ändern, meint Peggy Plettner-Voigt (50) aus dem Kreis Goslar, Vorstandsmitglied im Verband der Elternräte der Gymnasien, der sich gerade wieder neu formiert hat. „Wer weiß denn schon, ob dadurch wirklich neue Pädagogen an die Schulen kommen?“

Auf dem Land fällt viel Unterricht aus

Den Verweis von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD), dass die Gymnasien die vergleichsweise beste Unterrichtsversorgung aller weiterführenden Schulformen haben, will der Landesvorsitzende Waliuollah Ali (53), selbst Elternvertreter an der Käthe-Kollwitz-Schule in Hannover, nicht so stehen lassen. Ja, die Oberschulen hätten große Probleme, auch die Grundschulen müssten Lücken stopfen, aber wenn Lehrer von den Gymnasien an diese Schulformen abgeordnet werden, sei das oft nicht sinnvoll.

An den Stammschulen fielen dann manchmal ein ganzes Halbjahr Kunst, Sport oder Musik aus, während die abgeordneten Gymnasiallehrer als Zweitkraft in einer Grundschulklasse säßen, sagt Plettner-Voigt. Dabei habe der Minister doch versprochen, dass es diese Abordnungen nicht mehr geben würde.

Gerade Gymnasien auf dem Land, die eigentlich nicht besonders gut versorgt seien, müssten dann auch noch Lehrer zeitweise abgeben. Dadurch falle häufig Unterricht aus: „Die Qualität leidet“, sagt Annette Ebmeyer aus dem Kreis Celle, ebenfalls Vorstandsmitglied. Es gebe Klassen, die hätten wochenlang kein Französisch oder Spanisch.

Ali fordert einen echten Bestandsschutz für Gymnasien: „Die Politiker sagen immer nur, ihr macht gute Arbeit, macht weiter so. Aber das reicht nicht.“ Dadurch dass die Integrierten Gesamtschulen, aber auch die Oberschulen zunehmend mit Oberstufen ausgestattet würden, stünden Gymnasien vermehrt unter Konkurrenzdruck: „Da ist ein wahrer Kampf um Oberstufenschüler entbrannt“, sagt Plettner-Voigt. Dabei könnten größere Oberstufen ein viel besseres Angebot für die Schüler anbieten. Schulen könnten da auch zusammenarbeiten.

„Viele Einzelprojekte, aber kein großer Plan“

Der Verband moniert, dass sich der Minister in immer neue Einzelprojekte verrenne. „Schule plus“, „Bildung 2040“ – aber das große Konzept fehle. „Es gibt viel Gerede, aber wenig Konkretes“, findet Plettner-Voigt.

In seiner Kritik ist sich der Elternverband einig mit Grünen-Politikerin Julia Willie Hamburg, die auch den großen Plan in der Bildungspolitik vermisst. Die „multiprofessionellen Teams“, von denen Tonne immer spreche, seien eher Vision als Realität an den Schulen, sagt Ebmeyer: „Auch Gymnasien brauchen dringend Sozialarbeiter.“ Das Kultusministerium müsse mit dem Wissenschaftsministerium genau planen, welche Lehrer in welchen Fächern fehlen und entsprechende Studienplätze bereitstellen, fordert Ali. So mache es keinen Sinn, Informatik als Pflichtfach einzuführen, wenn es bis dahin nicht auch ausgebildete Fachlehrer gebe.

Neben den Lehrern fehlen den Gymnasien im Land durch die Rückkehr zu G9 auch Räume. Überall gebe es einen großen Sanierungsstau, sagt Ali. Es sei beschämend, dass in einem so reichen Land wie Deutschland die Schulgebäude in einem so miserablen Zustand seien, kritisiert Plettner-Voigt.

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Von Saskia Döhner

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