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Der Norden Verschärfter Sparkurs beim NDR – Rotstift bei Fernsehunterhaltung
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Verschärfter Sparkurs beim NDR – Rotstift bei Fernsehunterhaltung

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20:25 08.05.2020
Der NDR muss den Rotstift ansetzen. Geplant sind schmerzhafte Einschnitte im Programm. Quelle: Fotostand
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Hannover

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) muss in den kommenden vier Jahren rund 300 Millionen Euro einsparen und damit 60 Millionen Euro mehr als bislang geplant. Über die Einzelheiten des Sparprogramms habe Intendant Joachim Knuth am Freitag den Verwaltungsrat informiert, teilte der öffentlich-rechtliche Sender in Hamburg mit.

Es sei vorgesehen, die Ausgaben für Personal, Produktion, Verwaltung und Programm zu senken. Unter anderem würden 200 Planstellen nicht nachbesetzt und so die Personalkosten um zehn Prozent zurückgeführt.

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Weniger „Tatorte“, weniger Unterhaltung

Im Fernsehen seien Einschnitte im Bereich Unterhaltung zu erwarten, auch bei den Zulieferungen des Senders für die ARD, heißt es in der Mitteilung. Zukünftig werde es weniger „Tatorte“, Unterhaltungsshows und Fernsehspiele vom NDR geben. Einige Sendungen wie „Inselreportagen“ und „Lieb und teuer“ werden gestrichen. „Zapp“ und das „Kulturjournal“ verlagern ihre Inhalte zunehmend in Online-Angebote und digitale Verbreitung. Das Engagement des NDR für die Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell in Hamburg (“Tagesschau“, „Tagesthemen“) behalte höchste Priorität.

Gestrichen werden auch die Sommertouren der Landesfunkhäuser in Hamburg, Hannover, Schwerin und Kiel. Künftig plane der NDR in jedem seiner vier Länder pro Jahr nur noch eine Großveranstaltung als Gastgeber. Bei den Musikensembles werden Personalkosten reduziert und Strukturen verändert. Veranstaltungen wie das NDR Klassik Open Air fallen weg.

Rücklagen sind aufgebraucht

Der NDR verfügt jährlich über Einnahmen von rund einer Milliarde Euro (2018), konnte aber bislang aus Rücklagen höhere Ausgaben finanzieren. Diese Rücklagen sind aufgebraucht, so dass auch eine mögliche Erhöhung des Rundfunkbeitrags von gegenwärtig 17,50 Euro auf 18,36 Euro pro Monat keine grundlegende finanzielle Entlastung bedeuten würde.

Knuth hatte deshalb schon im Januar ein Sparprogramm angekündigt. „Angesichts der herausfordernden Finanzlage müssen wir Prioritäten setzen“, sagte der Intendant. „Wir werden unseren starken Journalismus, die Information, die regionale Kompetenz bewahren, müssen aber dafür an anderer Stelle auf Gewohntes verzichten.“ Die Folgen der Corona-Krise hätten die Einsparnotwendigkeit für die nächsten Jahre noch einmal deutlich erhöht.

Zudem belastet ein Neubau für den Sendebetrieb des NDR-Fernsehens das Budget. Das alte Bürogebäude kann wegen Asbest-Belastung nicht mehr genutzt werden. Um Kosten zu sparen, wird der Abriss des Gebäudes um zunächst vier Jahre verschoben.

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Von RND/lni

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